Björn Siller

Das gestehe ich frei ein, dass sich mir doch ein sehr kindliches Bild des Hl. Dominik eingeprägt hat und ich weiß auch heute, dass dieses Bild des Hl. Dominiks, das ich habe, aus meinen Pfadfindertagen stammt, denn wir sangen das Lied über den Hl. Dominik, welches wir damals auch noch (oder zumindest ich, es war Ende der 1980iger) mit der Stimme der Soeur Sourire kannten.

Das war ein Hl. Dominik, der voller Freude durch die Lande zog und predigte. Recht süßlich war dieser Dominik und irgendwie passte er aber doch auch zu den vielen Legenden, die es um ihn gab, mit all den Wundern und Zeichen, die ihm zugeschrieben werden und wurden. 

Kindliche Bilder hin oder her, dieser Mann, der voller Freude ist, den möchte ich mir als Bild behalten, denn ich denke mir, dass diese Darstellung des Dominik zeigt, dass Christ sein, dass ein christliches Leben nur wirklich eben ein Leben in der Nachfolge ist, wenn es ein Leben voller Freude ist. Eine Botschaft der Liebe kann ich nur mit Freude im Herzen, mit einer positiven Grundeinstellung zu den Menschen und zum Leben, verkünden. 

Und das zweite Bild, das ich mir aus dem Lied behalten will, ist das des predigenden Dominik. Dabei zeigt sich im Lied und auch in den Legenden, die ich kenne, nicht zuerst der Prediger „von Oben herab“, sondern ein Prediger der Wort und Leben verbindet und somit aus dem Leben heraus predigt. In diesem Kontext deute ich auch all diese Wunder und Zeichen, die man ihm zuspricht. Es sind Bilder dafür, dass bei Dominik Wort und Lebenskonzept übereinstimmen, dass es stimmt, dass das Leben mit Christus einfach großartiger ist.

Ein drittes Bild, das mir aus den Legenden über ihn bleibt, das ist das Bild des studierenden Dominik. Das ist ein studierender Mensch, der nicht irgendwann fertig ist und dessen Studium nicht dabei endet sich mit Büchern einzuschließen. Studium ist bei ihm nicht nur das Lesen von Literatur, sondern auch die Disputation, die (Lebens)Erfahrungen um daraus dann auch zu handeln. 

Aus dem Leben Dominiks ziehe ich folgendes heraus: Wer predigen will, wer grundsätzlich die Botschaft Christi weitertragen will, der braucht zwei Aspekte, einen christlichen Glauben, der sich in einer grundsätzlichen Lebensfreude ausdrückt und das lebenslange Studium, ja ein lebenslanges Studium generale, im besten Sinne des Wortes (und im Zweifelsfall auch ohne akademischer Abschluss). Wenn beides zusammenkommt, so denke ich, dann kann die Verkündigung der Botschaft Christi in den Ohren und Herzen der Menschen klingen.

Es ist kein Vertrösten auf ein irgendwie geartetes Später. Es ist die Gewissheit, dass nicht das menschlich Mächtige siegt, sondern das Grundsätzliche, das Leben selbst. Das ist für mich die Botschaft des Senfkorns, die heute (Mo. 17. Woche, Jhkrs.) im Tagesevangelium verkündet wird.

Mag es auch wirklich so aussehen, als ob irgendwelche lauten und holen Kräfte siegen, mag es so aussehen als ob Glaube, Liebe und Hoffnung, als ob Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit keine Kraft haben – die Angst, dass das Böse siegt ist einfach falsch. In jenem Moment in dem wir dem Senfkorn Liebe, dem Senfkorn Leben, Barmherzigkeit, Nächstenliebe etc. eine Chance geben, es zulassen, wendet sich das Blatt. Dessen bin ich mir sicher! Jeden Tag auf ein Neues. Trotz den Erfahrungen, die ich, die jeder von uns Tag für Tag macht.

Aktuell denke ich, dass die einzige Chance die Kirche zu retten sich darin befindet sich auf die Ideen und Ansätze der OrdensgründerInnen und damit auf ein Jesus durchwirktes Leben zu konzentrieren. Hier finden sich eventuelle Antworten auf die wirklichen Probleme.

Die Ausrichtung der Orden auf die ganz persönliche Seelsorge war schon immer die Stärke des Christentum. Und hier haben die Ordensgemeinschaften seit Jahrhunderten die zentralen Aufgaben geleistet. Sie waren es, die sich nicht mit Strategien und Systemen aufgehalten haben sondern das Beziehungsgeschehen Jesus – einzelner Mensch im Wort und Tat gelebt haben. Ordensleute zeigen uns noch heute, in ihrem Handeln und Reden, welch lebensverändernde und lebensbejahende Kraft darin steckt, sich auf Jesus Christus einzulassen.

Ein erstarken des Christentums muss ganz zentral bei jenen beginnen, die das Christentum Verkündigen sollen. Auch hier kann das Ordensleben Vorbild sein. Einmal (Pater Nikodemus hatte das schon mal aufgegriffen) darin, dass wir das „Profil“ des Priesters (eventuell wieder) stärker in Verbindung mit dem Lebenskonzept der Ordensbrüder bringen (nicht nur Ehelosigkeit, sondern auch Armut und das Konzept der spirituellen Durchwirkung des Alltags, etc.). Zum Zweiten, dass wir alle MitarbeiterInnen darin befähigen (ausbilden und dann auch konzeptionell unterstützen) in einem noch stärkeren geistlichen Leben, das mehr denn je vom Konzept des „Dienstes“ her gedacht wird, zu leben und damit auch zu arbeiten. Zum Dritten, dass wir endlich ernst nehmen, was sich hinter der „Idee“ des Apostolates versteckt und dies nicht nur respektieren sondern aktiv fordern und fördern.