Zukunft der Kirche

Aktuell denke ich, dass die einzige Chance die Kirche zu retten sich darin befindet sich auf die Ideen und Ansätze der OrdensgründerInnen und damit auf ein Jesus durchwirktes Leben zu konzentrieren. Hier finden sich eventuelle Antworten auf die wirklichen Probleme.

Die Ausrichtung der Orden auf die ganz persönliche Seelsorge war schon immer die Stärke des Christentum. Und hier haben die Ordensgemeinschaften seit Jahrhunderten die zentralen Aufgaben geleistet. Sie waren es, die sich nicht mit Strategien und Systemen aufgehalten haben sondern das Beziehungsgeschehen Jesus – einzelner Mensch im Wort und Tat gelebt haben. Ordensleute zeigen uns noch heute, in ihrem Handeln und Reden, welch lebensverändernde und lebensbejahende Kraft darin steckt, sich auf Jesus Christus einzulassen.

Ein erstarken des Christentums muss ganz zentral bei jenen beginnen, die das Christentum Verkündigen sollen. Auch hier kann das Ordensleben Vorbild sein. Einmal (Pater Nikodemus hatte das schon mal aufgegriffen) darin, dass wir das „Profil“ des Priesters (eventuell wieder) stärker in Verbindung mit dem Lebenskonzept der Ordensbrüder bringen (nicht nur Ehelosigkeit, sondern auch Armut und das Konzept der spirituellen Durchwirkung des Alltags, etc.). Zum Zweiten, dass wir alle MitarbeiterInnen darin befähigen (ausbilden und dann auch konzeptionell unterstützen) in einem noch stärkeren geistlichen Leben, das mehr denn je vom Konzept des „Dienstes“ her gedacht wird, zu leben und damit auch zu arbeiten. Zum Dritten, dass wir endlich ernst nehmen, was sich hinter der „Idee“ des Apostolates versteckt und dies nicht nur respektieren sondern aktiv fordern und fördern.

Ausgangsentscheidung

„An jenem Tag richte ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf und bessere ihre Risse aus, ich richte ihre Trümmer auf und stelle alles wieder her wie in den Tagen der Vorzeit“ (Am 9,11)

Dieser Bibelstelle erinnert daran, dass Gott kein Schlaraffenland geschaffen hat und auch nicht wollte, sondern eine Schöpfung, in der es gilt zu leben. Unsere Welt ist nicht per se heil, viel mehr ist Heil das Ziel, das es anzugehen gilt, was uns aber von Gott nicht verweigert, sondern versprochen wird. 

Damit zeigt sich auch, dass die Frage „Warum lässt Gott das zu?“ wenn es um Gewalt, Hass und vom Menschen verursachte Vernichtung geht, zu kurz greift. Vielmehr stellt sich auch die Frage, warum lassen wir es selbst soweit kommen, dass die „Hütte Davids“ zerfallen ist? 

Ist also nicht die Frage nach dem Bösen in dieser Welt eine Frage, die auf uns selbst verweist? Zeigt sich doch immer wieder, dass die Verantwortung für das Böse (nicht nur in der reinen aktiven Tat) bei uns liegt und dass es keine Chance gibt einen anderen Schuldigen zu finden. 

Darauf folgt oft und ganz schnell die Reaktion: „Was kann ich schon als Einzelner tun?“. Manchmal erscheint gerade diese Frage, und zwar in dem Moment, wo der Einzelne an dieser Frage stehen bleibt und nicht weiter geht, eher als eine Ausrede, um eben nichts zu tun, um sich in das jeweils selbst gebastelte Schneckenhaus zu verziehen. „Mag das Haus Davids zerfallen, ich habe mich in meinem Eck gut eingerichtet.“

Gott bietet – so sieht es der Propheten Amos – Rettung an, selbst in der schwersten Not und im tiefsten Unsinn. Nennen wir es Hoffnung, nennen wir es die Möglichkeit einer neuen und tieferen Beziehung zwischen dem einzelnen Menschen und Gott. Das ist möglich durch das, was Gott uns geschenkt hat: Unsere Person, unseren Verstand unsere Fähigkeit in aller Freiheit aufzustehen und Entscheidungen zu treffen, die grundsätzliche Annahme jedes Menschen als Gottes Ebenbild. 

Daher stellt sich selbstverständlich die Frage, was der einzelne Mensch tun kann. Ich denke es fängt damit an, ausgehend von der Botschaft Christi Entscheidungen zu treffen, für etwas einzustehen. Amos benennt die Entscheidung in Vers 9, 15 recht schlicht, klar und entscheidend, aber sieht sie als einzige mögliche Grundlage und damit Grundhaltung, die alles Handeln begründen muss: „der Herr, dein Gott“!

Seelsorge – Reflexion

Jetzt, wo wir in Deutschland einen gewissen Moment der Krisenentspannung haben wäre es doch wichtig einmal nachzudenken, was alles war. Was ging gut, was lief falsch, wo haben wir versagt.

Um „die“ Kirche ist es ruhig geworden. Das Beste was hier gerade noch geschieht ist, dass es Kreise gibt, die sagen „da lief was falsch“ in der Krise. Doch statt diese Kritiker pauschal abzulehnen und sich zu brüsten mit einzelnen Handlungen wäre es doch sinnvoll sich hinzusetzten und nachzudenken.

Gerade die katholische Kirch hat in ihren Kreisen einen starken Digitalisierungsschub erlebt. Doch während Livestream und YouTube-Predigten anwuchsen veränderte sich das Denken nicht, oft genug gab es den alten Wein in neuen – oft sehr schnell, aus altem Stoff genähten – neuen Schläuchen. Wie gehen wir hier in Zukunft damit um? Wie schaffen wir es, veraltete Reaktionen und lähmende Systeme zu überwinden und jetzt, solange noch Gelder da sind, uns umzustellen, auszubilden, wieder auszurichten?

Oder in der Seelsorge. Im Verborgenen, an einzelnen Orten blühte sie auf. Doch viel zu oft verschwanden Hauptamtliche – Laien wie Priester – in der Versenkung, versteckten sich hinter Regeln und Anweisungen. Können wir daraus nicht lernen? Können wir nicht eventuell auch aus den Seelsorgeerfahrungen in der Krise, gerade bei unseren europäischen Nachbarn Italien, in die Schule gehen. Das Gute, das dort auf so manch einen vertrockneten Boden stieß als Impuls annehmen?

Oder wie ist das mit der Seelsorge in ganz besonderen Lebenslagen? In Gefängnisse, Krankenhäusern und Altenheimen? Wie sind wir da präsent gewesen? Auch dort, einzelne großartige Glaubenszeugen, die ihren Dienst übernommen haben, bis hin zur freiwilligen Bereitschaft zur Quarantäne. Was können wir daraus lernen? Wo können wir mehr tun, wo müssen wir unsere Prozesse verändern, wo hätten wir eventuell „als Kirche“ lauter reden müssen?