Worauf warten wir?

Das ist so ein Standardsatz: Advent ist Wartezeit! Aber warum und auf was warten wir denn?

Da merke ich in den Gesprächen, dass es da sehr unterschiedliche Antworten gibt und ich merke wie unterschiedlich die dahinter sich versteckenden Gottesbilder sind.

Und bei Gottesbilder ploppt bei mir ein Text auf und ich möchte mal noch ganz Provokant an einen Text von Huib Osterhuis erinnern, mit dem Titel „Orte genug“. Dort schreibt der Autor: „Eine Welt ohne Gottesbild gibt es nicht. Sosehr es eine Erleichterung wäre, vielleicht. Sosehr man es erwägen mag und proklamieren, vergebens. Es gibt ein Gottesbild. Eines?“

Wie geht es Ihnen und euch damit? Welches Gottesbild habt ihr und welches treibt euch an?

_Zitat: Oosterhuis; Du bist der Atem und die Glut. Freiburg 1994. S. 257 ff._

Ein Blick in die Feiertradition der jüdischen Gemeinde

Gestern, am 1. Advent begann auch Chanukka. Voller Respekt beobachte ich das Feiern der jüdischen Schwestern und Brüder und ich freue mich sehr, dass ganz im Sinne des Talmuds auch in der Stadt das Fest sichtbar ist.

Chanukka ist ein Fest, das aufgrund der Lichter immer auch mit Weihnachten verglichen wird. Solche Vergleiche kann ich verstehen, finde ich aber immer ein wenig unlogisch. Warum vergleiche? Jedes Fest ist einzigartig.

Ich stelle mir immer wieder bei den jüdischen Festen die Frage, was kann ich davon lernen. Wie hilft mir dieses Fest in meinem Glaubensleben?

Was mir an Channukka auffällt sind zwei Aspekte: der religiöse Pragmatismus im Talmud zum Fest und dass in erster Linie der Lobpreis im Mittelpunkt steht: Die Verbindung von Erinnerung und Gotteslob.

Im Babylonischen Talmut (Traktat Schabbat) findet sich für das Fest bzw. für die Praktiken eine Unterscheidung zwischen Gläubige, für Eifrige und für sehr Eifrige. Und alle diese Traditionen sind nebeneinander voll und ganz in Ordnung. Natürlich ist das Theorie, insbesondere seit dem Gelehrten Hillel, trotzdem ist doch diese Denkweise ganz interessant.

Für die Festtage gibt es drei Gebete, die bei der Entzündung der Kerzen gebetet werden. Das zweite und dritte Gebet lässt jedes Mal was in mir nachklingen. Da gibt’s Überraschungen. Eventuell ist solch ein Lobpreis auch einfach unüblich für heutige Momente:

Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du unseren Vorfahren in jenen Tagen, zu dieser Zeit Wunder geschenkt hast.

Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen.

Rückblick, Dank und Lob – ich nehme das heute mit ins Gebet und bin gespannt, was passiert. Freue mich, wenn Sie mir von ihren Erfahrungen erzählen.

Ewiger Advent

Alfred Delp SJ hat als Erzieher im Jesuitenkolleg, im Jahr 1933, ein Theaterstück geschrieben unter dem Titel „Der ewige Advent“. Es ist ein Text seiner Zeit, ein sicherlich typisches Stück der Theatertradition der Jesuiten. Die drei Szenen, Bilder spielen an verschiedenen Orten und manch eine Textstelle kommt eher schwülstig rüber. Aber der Text ist mit seinen Fragen aktuell.

Am Ende des zweiten Bildes, es ist eine Szene in einem zusammengebrochenen Stollen einer Grube, die Menschen sterben darin, spricht der Vorarbeiter folgende Worte:

Junge, glaub mir, einmal muss einer die Sehnsucht still machen. Junge, hörst du (Regie: Alles still.) Bin ich der letzte? Hier tief unten? Ich sage, was alle tief drinnen spüren. Einmal muss ein Ende werden mit all dem Warten und Harren. Glaubt mir, ich habs gespürt ein Leben lang. Immer habe ich durch das Fenster geschaut Nicht nur nach den Dingen dieser Erde. Das auch. Die habe ich auch gesucht. Aber das geht nicht lange. Immer bleibt das Herz voll Sehnsucht und Heimweh. Junge, glaub mir, glaubt mir alle: Ein irdisch Ding macht dieses Herz nicht ruhig. Einmal muss einer kommen, der uns alle Fenster und Türen aufmacht, der uns ansieht mit heiligen Augen. Der unser Herz anrührt mit heilenden Händen. Einmal muss einer kommen. Ich habe ein Leben lang auf ihn gewartet.“ 

Delp weist in seiner Regieanleitung an danach das Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ zu singen.

Mit diesem Text und dem Lied sende ich Ihnen und Euch meine herzlichen Grüße. Einen gesegneten ersten Advent!

 

Text: Delp; Gesammelte Schriften Band I. S. 62.