„Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz“ (Apg 2,37)

Es geht weiter. Die Jünger haben erkannt, dass es auch ohne Jesus eine Gemeinschaft geben muss. Sie wurden gestärkt vom Vermächtnis, von der Erkenntnis und der Erfahrung, dass das, was Jesus gelehrt hat, nicht die Richtigkeit verliert, nur weil er nicht mehr da ist. 

Die Folge daraus ist, und da hat Lukas das wunderbar komponiert, nach der eigenen Erfüllung, nach der eigenen Berufung, nun aufzustehen und – ganz sichtbar – die Türen aufzureißen und nach draußen zu gehen. Nach der Zeit der Angst und Unsicherheit ist klar, jetzt müssen die Jünger „auf die Straßen“ und davon erzählen.

Und Petrus tut das hier. Das ist ein Petrus der irgendwie gereift erscheint, gefestigt. Während der in den Evangelien der verratende und der empfangende Petrus ist, wird er hier der weitergebende Petrus. Er predigt. Er legt das Ereignis aus, er legt die Schrift aus. Was er genau sagt, das bleibt unklar. Aber interessant ist, dass gerade Petrus, der in den Evangelien oft genug das Falsche sagte, hier so spricht, dass er die Menschen „mitten ins Herz“ trifft. 

Das Lebenszeugnis dieser Männer, die Ereignisse und die Worte müssen hier eine Situation schaffen, die anspricht. Vergessen wir die Zahl, achten wir darauf, was Lukas sagen will: Die Botschaft ist nicht tot, sie wird weitergetragen, von Menschen, die diese Botschaft leben. Ganz als Menschen.

Dass dies nicht einfach ist, davon berichten die Geschichten in der Apostelgeschichte und in den anderen Texten des Neuen Testamentes. Aber gerade diese Schwierigkeit, dieses kämpfen (was manche mit dem Tod bezahlten), um in der Botschaft zu leben, das motivierte die Menschen, den neuen Weg mitzugehen.

Und so stellt sich mir die Frage, wie eine Kirche, wie Priester, wie Menschen die ihre Berufung und/oder ihr Apostolat leben, sein muss/müssen, dass sie andere Menschen zum „brennen“ bringt/bringt. Und wenn dies nicht der Fall ist, ist es dann eine Kirche im Sinne jener Gemeinschaft am Anfang? 

Liturgie und Gottesdienst

Jetzt soll es dann wieder losgehen. Endlich wieder öffentliche Gottesdienste. Aber nur unter Einhaltung von Regeln. Zugangsbeschränkung, kleine Gruppen, Abstandsregel, keinen Gesang, …

Und schon regt sich Widerstand: Es sei, angesichts der Lage, nicht geboten Gottesdienste zu feiern. Diese Grundthese wird, stark vertreten von einigen Priestern, untermauert mit recht spannenden Aussagen und Behauptungen.

Eine These finde ich sehr spannend. „Gottesdienste sollten wir aktuell unterlassen, da aufgrund der Zugangsbeschränkungen, die Gefahr besteht, dass Besucher nicht teilnehmen dürfen“. Nun gilt zumindest in BaWü die Regelung, dass die Zugangsbeschränkung abhängig ist vom Feierort.

Und auch wenn ich, da ich meist nur in eine Kirche gehe, einen einseitigen Blick auf die Besucherzahlen habe, so erlaube ich mir die These aufzustellen, dass die genannte Aussage von einer Gemeindesituation ausgeht, die es nur (noch) in den seltensten Fällen gibt.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier eine Diskussion geführt wird, die mehr als je zuvor in einem volkskirchlichen Denken verhaftet ist. Das verwirrt mich, da diese Diskussionen von jener Seite geführt wird, die sich als „links“ oder „liberal“ bezeichnet.

Ist das wirklich unser Problem? Zu viele Gottesdienstbesucher?

Er ist da!

Am heutigen (Freitag der Osteroktav) wird das Evangelium aus dem Johannesevangelium gelesen. Es ist die Stelle Joh 21, 1-14; Jesus erscheint den erfolglos fischenden Jüngern am See und motiviert sie noch einmal die Netze auszulegen. Die zentrale Stelle, sozusagen das Evangelium im Evangelium des Tages, findet sich aber im Hauptsatz des ersten Satzes des Verses 4. Zusammengefasst steht da: Jesus stand am Ufer! Oder wenn das nochmal verkürzt wird: Jesus ist da! Mehr braucht es nicht an Information. Mit dieser Botschaft können wir uns entspannen. Aber nicht zurücklehnen, das zeigt sich, wenn der Vers 4 weiter gelesen wird. Auf die Botschaft folgt Aufforderung. Wenn Jesus Fragen stellt, dann will er, dass sich was verändert, angefangen im Kopf (die Bibel würde vom Herzen sprechen), in der Grundhaltung und daraus heraus an und in der Tat.

Und in diesem Sinne: Startet gut in die nächsten Tage. Mit Gott ändert sich das Virus und die aktuellen Probleme nicht, aber wir können sie positiv nur mit ihm meistern.