Taufe – Mein Wärmemoment

Der nachfolgender Beitrag erschien zuerst auf http://www.advent-online.de am 3. Januar 2023

In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes. (Johannes 1,29-34)

Wuchtig steht ein Stein in meiner Heimatkirche. Darüber schwebt ein neogotischer, goldener Aufsatz. Aber das Konstrukt steht abseits im Kirchenraum, hinten, ungenutzt – der Taufstein meiner Heimatgemeinde.

Nach der Lektüre des heutigen Lesungstextes habe ich mich vor den Stein gestellt. Was bedeutet er mir? Was bedeutet mir die Taufe. Irgendwie bin ich der Meinung, dass hier irgendwie und irgendwo ein Wärmeort meines Lebens sein müsste.

An diesem Stein, an dieser Stelle wurden ganze Generationen meiner Familie getauft. Aber es zeigt sich mir, dass das kein Wärmeort selbst ist, aber doch ein Symbol für einen Wärmeort. Der Ort der Taufe, ja auch der Termin der Taufe, sind nicht greifbar, dafür die Bilder dazu, die Erfahrungen. Ich bin also kein Taufsteinchrist, aber ein Taufchrist, für den dieser Ort ein Symbol ist für eine Verortung.

Das vergangene Jahr hat mich, hat sicherlich auch viele von Ihnen gefordert. Die Summe der Krisen schuf Ängste und manchmal konnte ich die eine oder andere Angst überwinden, und mich fragen: Wo stehe ich gerade?

Während ich diesen Text vorbereite, stehe ich vor meinem Taufstein, stehe ich vor meiner Vergangenheit, die für mich als Christ, in der Taufe einen ganz eigenen Anfang hat. Das ist für mich eine grundsätzliche Lebensverortung. Das zu wissen, gibt mir innere Wärme.

Für manche Christen ist diese Erfahrung selten, oder auch gar nie erfahrbar geworden. Das macht mich traurig, denn ich weiß wie gut mir das tut, diese Verortung und Erfahrung.

Und ich denke mir, dass wir als Kirchen, die wir alle gerade in Krisen und Umbrüchen stecken, uns die Frage nach der Verortung stellen. Direkt oder indirekt. Eventuell, so denke ich mir, wäre die Taufe, die für mich ein wärmender Erfahrungsort ist, genau die Geschichte, der Ausgangspunkt für neue Wärmeorte.

Würde das funktionieren? Eine Kirche, also nicht nur mein Leben, sondern das ganze kirchliche Leben – Struktur, Verwaltung und Botschaft – von der Taufe, vom Anfang aus zu Denken. Entstünde so nicht ein schöner Wärmeort? Keine Ahnung, aber mit dieser Überlegung starte ich in das neue Jahr, in ein hoffentlich gesundes, friedlicheres und glücklicheres Jahr. Das wünsche ich Ihnen und mir.

Eine Antwort zu „Taufe – Mein Wärmemoment”.

  1. schöner Gedanke zum Jahresanfang, danke vielmals fürs Teilen.
    Liebe Grüsse Brig

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