Es gibt so viel Liebe

Es gibt so viel Liebe

Denken wir eventuell von Liebe allgemein zu kurz oder zu eng? Diese Überlegung kommt mir manchmal. Gerade angesichts der Erfahrungen auf den Datingplattformen und bei der Beobachtung von Sehnsüchten und der Erfahrung von Einsamkeit bei Menschen aus meinem weiteren Personenkreis. Wenn ich so überlege, dann lohnt es sich doch angesichts der Sehnsucht nach Liebe sich nochmal darauf zu besinnen, welche Formen von Liebe es gibt und wie diese, gerade bei den Griechen so differenziert betrachtet werden können.

Scheinbar sehr beliebt – das lässt zumindest die vielen Freundschaft+ Debatten vermuten – ist die Konzentration der Liebe auf die rein körperliche Ebene. Das wurde bei den Griechen als „Eros“ bezeichnet. Damit wurde ein Konzept bezeichnet, das sich auf die sexuelle Leidenschaft und Verlangen konzentriert.

Heute ein scheinbarer Gegensatz, was ich so nicht sehe, ist die Philia, die Bezeichnung für die tiefe Freundschaft oder Kameradschaft. Vielmehr kann ich mir diese Form der Liebe als grundsätzliches Konzept vorstellen auf das andere Formen aufbaut. 

Ludus ist die verspielte Liebe, das Flirten, das Kokettieren und Agape ist das was später in lateinischer Sprache als caritas bezeichnet wurde. Eine Liebe, die sich von mir an alle richtet, also die Nächstenliebe. Eine Form der Liebe, die, aus meiner Sicht, im Kontext der Vorausannahme besteht, dass alle Menschen eine Würde innehaben, dass sie grundsätzlich gut sind.  

Die Liebesform, die mit Pragma bezeichnet ist, ist wohl, so denke ich, jene Liebe nach denen sich die Menschen am meisten sehnen und die leider sehr selten, und wenn bei langanhaltenden Partnerschaften, zu finden ist. Pragma ist jene reife und realistische Liebe die grundsätzlich ist, die von Geduld und Toleranz, von Respekt und Akzeptanz des anderen lebt. Pragma ist jene Grundstimmung zwischen zwei Menschen, die auf Dauer ausgerichtet ist. Dabei denke ich, dass es diese Liebe nicht allein zwischen Ehepaaren gibt.

Eine Liebe fehlt in diesem Reigen noch, ohne die, so denke ich, die anderen gar nicht wirklich möglich sind: Die Philautia – die Selbstliebe. In der Bibel lautet das: Liebe deinen Nächsten (caritas), wie dich selbst. Das Eine ist ohne das Andere nicht möglich. Wer sich nicht selbst liebt, sich nicht achtet, respektiert, annimmt, sich vertraut, der kann das wahrscheinlich bei anderen auch nicht tun.   

Sechs Formen der Liebe gibt es nach den Griechen. Keine ist schlechter oder besser, sollte verurteilt werden oder hervorgehoben werden, aber jede hat ihre Wichtigkeit und die eine baut sich auf der anderen auf. So denke ich, dass die Selbst- und Nächstenliebe Grundlage sind, da sie eine Grundhaltung verlangen, die Beziehungen erst wirklich möglich machen. Ich denke aber auch, dass für die Pragma auch die Philia eine Rolle spielt. Für eine gelungene Beziehung braucht es eine tiefe selbstlose Freundschaft. Es braucht eben dieses mehr an körperlicher Anziehung.  

Bei dem Blick auf die sechs Formen der Liebe scheint bei mir aber auch die Überlegung durch, ob wir im Alltag nicht zu oft vergessen, oder uns zu sehr auf wenige Formen der Liebe konzentrieren und dabei vergessen und/oder übersehen, wie sehr wir lieben und geliebt werden.

Und bei den sechs Formen der Liebe reift der Wunsch in mir noch stärker, in einer Gesellschaft zu leben, in der man einfach auch mal außerhalb der vorgefassten Paarbeziehung auch mal zu einem Freund, einer Freundin sagen darf: Ich liebe dich. Einfach so, weil es mit Blick auf eine der sechs Formen auch einfach stimmt. Wäre das nicht schön, wäre das nicht ein Segen?

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