Der letzte Soldat

Das neue Buch von Werner Herzog „Das Dämmern der Welt“ nimmt die Geschichte eines japanischen Soldaten in den Blick, der bis in das Jahr 1974, auf seinem Posten, den er 1945 einnahm, blieb. Der Soldat Onoda war der letzte aktive Soldat des II. Weltkrieges.

Ganze 29 Jahre über das Kriegsende hinaus lebte der Soldat Onoda, anfangs mit weiteren Soldaten, auf einer Insel. Die Soldaten hatten den Auftrag die Inselbewohner in Schrecken zu halten, eventuelle Invasoren durch einen Guerillakrieg zu stören und so den Japanern, wenn sie zurückkommen, eine Möglichkeit zur Landung zu verschaffen.

Dieser Auftrag war für die Soldaten absolut und brachte ein Weltbild (Lebenskonzept) der dauerhaften Verteidigung mit sich. So radikal, dass auch Kontaktaufnahmen von Dritten steht’s als kriegerische Akte angesehen wurden, als Zermürbungstaktik, etc. Die Nachrichten die zu den Kämpfern gelangten konnten nicht stimmen, da sie nicht in das Weltbild passten. Dies ging so lange bis jener Dienstvorgesetze zurückkam und Onoda das Ende des Befehls mitteilte.

Herzog erzählt vom Leben dieser Männer, von den Erfahrungen, von den Gedanken und Fragen und der Überlebensstrategie. Dies tut er, ähnlich dem Akt des Blätterns durch ein Bilderalbum. Die einzelnen Kapitel erinnern an Momentaufnahmen, die von jenen, die sich darauf befinden beschrieben werden. Mit persönlichen Eindrücken, Sachberichten und Sprüngen – was diesen Text so nah macht.

Irgendwie erscheint das Buch als ein Fragment, so fragmentarisch wie dieses Leben der Soldaten wohl auch war und so aus der Zeit gehoben, wie es gerade Onoda immer wieder erfährt. Was ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Ist das Leben eventuell doch nur ein Traum?

Das Buch ist schnell gelesen. Es sind ja auch nur 127 Seiten. Es ist aber trotzdem ein Text der richtig „Voll“ ist: Die Lebensfragen nach der Zeit, aber auch die Frage nach der (Un-)Sinnhaftigkeit eines Befehls bzw. des unbedingten Gehorsams oder diesem faszinierenden Blick eines Menschen außerhalb unserer Wirklichkeit auf das, was er aus der Ferne von unserer Zivilisation mitbekommt und versucht diese Eindrücke einzuordnen.