„Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz“ (Apg 2,37)

Es geht weiter. Die Jünger haben erkannt, dass es auch ohne Jesus eine Gemeinschaft geben muss. Sie wurden gestärkt vom Vermächtnis, von der Erkenntnis und der Erfahrung, dass das, was Jesus gelehrt hat, nicht die Richtigkeit verliert, nur weil er nicht mehr da ist. 

Die Folge daraus ist, und da hat Lukas das wunderbar komponiert, nach der eigenen Erfüllung, nach der eigenen Berufung, nun aufzustehen und – ganz sichtbar – die Türen aufzureißen und nach draußen zu gehen. Nach der Zeit der Angst und Unsicherheit ist klar, jetzt müssen die Jünger „auf die Straßen“ und davon erzählen.

Und Petrus tut das hier. Das ist ein Petrus der irgendwie gereift erscheint, gefestigt. Während der in den Evangelien der verratende und der empfangende Petrus ist, wird er hier der weitergebende Petrus. Er predigt. Er legt das Ereignis aus, er legt die Schrift aus. Was er genau sagt, das bleibt unklar. Aber interessant ist, dass gerade Petrus, der in den Evangelien oft genug das Falsche sagte, hier so spricht, dass er die Menschen „mitten ins Herz“ trifft. 

Das Lebenszeugnis dieser Männer, die Ereignisse und die Worte müssen hier eine Situation schaffen, die anspricht. Vergessen wir die Zahl, achten wir darauf, was Lukas sagen will: Die Botschaft ist nicht tot, sie wird weitergetragen, von Menschen, die diese Botschaft leben. Ganz als Menschen.

Dass dies nicht einfach ist, davon berichten die Geschichten in der Apostelgeschichte und in den anderen Texten des Neuen Testamentes. Aber gerade diese Schwierigkeit, dieses kämpfen (was manche mit dem Tod bezahlten), um in der Botschaft zu leben, das motivierte die Menschen, den neuen Weg mitzugehen.

Und so stellt sich mir die Frage, wie eine Kirche, wie Priester, wie Menschen die ihre Berufung und/oder ihr Apostolat leben, sein muss/müssen, dass sie andere Menschen zum „brennen“ bringt/bringt. Und wenn dies nicht der Fall ist, ist es dann eine Kirche im Sinne jener Gemeinschaft am Anfang? 

Karfreitag II.

Wir stehen vor der Bedeutungslosigkeit als Kirche, als Institution.“ – so sagt Pater Hagenkord SJ heute (10.04.2020) in einem Podcast-Interview. Und er führt weiter aus, dass das dem widerspricht, was Kirche aber sein könnte.

Dieser Aussage kann ich voll und ganz zustimmen; Rational! Emotional muss ich sagen, dass ich das nicht begreifen kann. Als Gläubiger Christ stehe ich heute vor dem Kreuz und spüre, je erfahre an meinem Leben, dass das was wir heute feiern eben alles andere als Bedeutungslos ist. Das, was wir feiern, geht alle Menschen an und rein theoretisch muss sich jeder Mensch in eine Position dazu stellen. Nicht nur ablehnen und/oder übersehen, sondern eine Aussage dazu treffen. Eine Aussage zur Hoffnung, Liebe, Menschlichkeit zu treffen, dass es da ein Mehrwert des Lebens gibt. Und dieser Mehrwert lässt sich in diesen Tagen erfahren.

Die rationale Ebene stößt an diesem Tag, mehr denn ja, auf eine Glaubensebene; Ratio und fides treffen sich und so ist Karfreitag für mich (auch) wieder ein Tag, gerade im Blick auf die aktuelle Lage, der mir fragen stellt, mich anfragt; Wie hälst du’s mit der Religion?

Manchmal kommt mir nur die Frage, ob sich unsere Verantwortlichen und WortführerInnen auch in diese Frage stellen.

Heimkommen; Ohne Liebe nur ein Fest …

Viel bin ich auf Internetseite und in Social Media unterwegs und wer dies, wie ich tut ,entdeckt viel Hass und Streit auf diesen Plattformen. Er findet aber auch ganz viele Lebensfragen. Immer und immer wieder werden die großen „W“-Fragen gestellt. Und es gibt Anbieter, die Antworten präsentieren. Antworten, die immer wieder sehr fraglich, mindestens sehr flach, wenn nicht gar sehr gefährlich sind. Aber es sind Antworten!

Auch die Werbung erkennt das. Wer sich die Themen der „Regenbogenpresse“ anschaut, wer sich zum Beispiel Klips der „Bunte“ anschaut entdeckt immer und immer wieder die Verarbeitung von Werten, von Sehnsüchten eben von diesen Fragen, die ganz menschlich sind. Wer bin ich, warum bin ich da, gibt es etwas größeres als ich es bin, oder die Beziehungsfragen.

Musterbeispiel ist da sicherlich EDEKA mit seinen seit einigen Jahren gut platzierten Weihnachtsvideos, die ganz und gar auf den Grundsehnsüchten der Menschen, den Gefühlen nach Nähe, Sicherheit, Geborgenheit und Liebe einsteigen und damit Menschen ansprechen. „Heimkommen“, die Feier in der Familie statt sich dem Stress und den Terminen hinzugeben oder 2017 der Schlusssatz im Video „Weihnachten 2117“: „Ohne Liebe ist es nur ein Fest“.

Das WWW hat die Grundidee „Kommunikation“. Es geht darum Verbindungen zu schaffen. Es geht darum, Beziehungen tiefer zu führen. Vieles hat sich in eine andere Richtung entwickelt. Die digitale Welt, falsch oder sagen wir, zu eng gedacht, ist eher Trennung, Abschottung statt Verbindung. Das ist aber nicht das Problem des Angebots sondern der Nutzer.

Gerade in kirchlichen Kreisen wird Digital und ganz besonders Social Media immer wieder in einer ablehnenden, distanzierten Grundhaltung betrachtet. Wir müssen halt damit arbeiten, aber das ist gefährlich – solch ein Unterton findet sich immer wieder. Wer so denkt, der hat die Situation nicht verstanden. Wer so denkt, der schließt sich aus. Kirche denkt (oft genug) so und handelt (oft genug) so in alten analogen und digitale Welt verurteilende Denkstrukturen. Wer so denkt, wird nicht mehr lange bestehen.

Digitalität, die Grundidee von Social Media und vieles mehr, was wir heute haben, wird bestehen bleiben. Plattformen und Anbieter werden sich ändern. Die Idee bleibt. Und daher gilt es, die Idee als positiv anzunehmen und in diesem System so zu handeln, dass sich das entwickelt, was angedacht war: Beziehung.

Wenn Kirche diesen Wandel nicht mitmacht, dann wird sie zum letzten (heiligen??) Rest. Was aber absolut unlogisch ist, da eben genau dieser Raum, diese Form der Kommunikation Steigbügel ist für all dessen, was die Botschaft Jesu anzubieten hat. EDEKA und Co. machen es Tag für Tag vor. Es gab aus meiner Sicht nie eine bessere Chance, als die Botschaft Jesu Christi wirklich allen Menschen zu vermitteln. Wir müssen halt die Sprache und das Denken dieser Welt lernen und das in aller Offenheit und mit all der Freude des Evangeliums, die uns Christus geschenkt hat. Wer alte Missionsberichte, gerade der Jesuiten, ließt erfährt es. Mission, Glaubensverkündigung, schlussendlich jede Kontaktaufnahme, zum Ziel positiver Beziehung, ist nur erfolgreich in einer positiven Grundhaltung. Nur wer den anderen, die andere Kultur, die andere Situation kennen und verstehen lernt, kann in Kontakt treten. Kirche diskutierte dies im Kontext des II. Vatikanischen Konzils, der Afrika-Synode und zuletzt der Amazonas-Synode. Warum bekommen wir das nicht in dieser digitalen Welt hin und damit in der Kultur jener Menschen, die Kirche schon lange nicht mehr anspricht, denen sie aber so viele Antworten hätte, wenn sie (Kirche) endlich die Sprache und die Kultur lernt.