Blutspende

Blutspende

Es mag jetzt wieder ein bisschen eitel rüberkommen, aber am Wochenende war ich ganz arg stolz auf mich. Und warum, davon will ich erzählen.

Meine Vorstellung eines Christen ist, dass dieser/diese ein Leben versucht zu leben nach dem Evangelium. Und das nicht nur in der Kirche und mit Blick auf mein Gebets-leben und Spiritualität sondern auch stehts mit der Aufforderung, mein Glauben in Glaubenspraxis, in Lebenshaltung umzusetzen. Der Christenmensch – so denke ich – ist ein Mensch, der sich im hohen Maße für das Gemeinwohl im Allgemeinen und für den Mitmenschen im Speziellen einsetzt und dort wo möglich Verantwortung übernimmt.

Leider bin ich mir selber sehr gut bewusst darüber, dass ich das in vielen Punkten nicht immer so schaffe. Ein Punkt bin ich jetzt wieder angegangen. Im Rahmen dieser Verantwortung für den Mitmenschen sehe ich auch – wenn es gesundheitlich möglich ist – Blut zu spenden. Aber auch die Auseinandersetzung mit der Frage des Organspendens etc. gehört zu einem Leben in Sorge um den Mitmenschen dazu. Jetzt bin ich ein absoluter Feigling. Ich kann vor einer Blutspende die Nacht kaum schlafen, ich habe Angst und drücke mich deshalb immer wieder davor. Dabei ist das Gefühl das ich habe schlussendlich lächerlich. Die ganze Prozedur geht kaum eine Stunde und es sind zwei kleine Stiche. Einer in den Finger für den Bluttest und einer in die Vene und kaum liegt man, ist es auch schon vorbei. Ich habe mir jetzt ganz fest vorgenommen mir diese Erinnerung zu behalten um meine Angst einzudämmen, denn ich will, dass ich wirklich sechs Mal im Jahr zum Spenden gehe. Das ist mein Ziel. Und ich würde mich ungemein freuen, wenn dies noch viele weitere Menschen machen würden. Blutspenden kann Leben retten. Gott ist der Gott der Liebe und des Lebens. Ihm ist wichtig, dass wir alle gut leben, gesund und mit einer Zukunft. Dabei können wir Christen helfen. Unter anderem mit Blutspende, Blutplasmaspende und dem Organspendeausweis. Das kostet außer Zeit  und Mut (bei Angsthasen wie mit) nicht viel. Das kann man erübrigen. Also bitte: Geht Blutspenden, setzt euch mit dem Thema Organspende auseinander und helft dort wo ihr könnt.

Sonnenstrahlen

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Morgens auf dem Weg zur Uni. Die Sonne strahlt. Die einen fühlen sich geblendet. Die anderen genießen es, dass ihnen die Sonne das Gesicht anstrahlt. Es ist doch wie bei Gott. Die einen erleben seine Gegenwart als anstrengend, als überwachend und einengend. Die anderen genießen es, ihn zu erleben, denn er schenkt ihnen Weite und Helligkeit im Leben.

Aber egal wie: Wer in die Sonne sieht, fängt an zu lächeln. Wie schön solch ein Tag!

Jakobsweg – Schon geht’s weiter

 

Ich bin dann mal weg – ist zwischenzeitlich ein geflügeltes Wort: Dank Hape Kerkeling. Ich bin wieder da – das ist aber nur ein Satz. Ohne große weitere Infos. Ich bin dann mal wieder da, auch wenn es nur wenige Tage waren in denen ich dann mal weg war. Es ist kaum zu glauben, aber es ist wirklich viel passiert in den Tagen meiner kleinen Reise auf dem Jakobsweg, die ich machen durfte, dank des Priesterseminars.

Zuerst habe ich absolut gemerkt: Das Wandern ist nix für mich. Meine Füße tun mir noch immer weh. Diese Erkenntnis ist so nebensächlich aber überschattet aktuell noch – dank der Füße die ich eben noch immer spüre – meinen Rückblick auf die Tage.

Das nächste Thema ist die (wieder-)Erkenntnis, dass das „Auf dem Weg sein“ ein Bild ist, welches echt viel abverlangt. Es ist einfach das Thema, dass hierbei die Frage nach der „Berufung“ immer wieder kommt. Das ist ein immer wieder neu versichern, gerade dann, wenn die evangelischen Räte als Themen aufkommen.

Über den Punkt des Gehorsams habe ich ja schon geschrieben. Dazu kamen in den Tagen in Frankreich noch Armut und das Mega-Thema: Zölibat.

Reinhard Mey sang einst in seinem Lied: Ich liebe das Ende der Saison, folgende Worte: Du brauchst im Leben wirklich nur, um keine Not zu leiden, einen Freund, ein Stück Brot, ein Töpfchen Schmalz und ein Glas Wein! – das ist sehr romantisch diese Vorstellung, aber in diesem Tagen habe ich nochmal gemerkt, dass diese Reduktion sehr angenehm ist und – für mich – sehr stimmig. Was brauche ich zum Leben? Das ist die Frage. Noch klarer ist aber die Frage: Welches Verhältnis habe ich zu Besitz?

Mehr als die Hälfte meines Lebens habe ich in einem Zimmer gelebt. Kindheit, Seminarzeit St. Pirmin, Rom, jetzt hier im Seminar und auch in der Zeit meines WG-Lebens. Und viele Jahre davon habe ich immer wieder gespürt, dass ich mich trotzdem mit dem kleinen vorhandenen Besitz nicht ganz glücklich fühle. In den Jahren in Rom und auch jetzt merke ich, dass ich wirklich nicht sehr viel brauche, gerade auch das nicht, was ich eingelagert habe und völlig aus meinem Gedächtnis gewischt habe. Es ist irgendwie komisch. Bücher, das ist ein Besitz den ich horte, den ich auch scheinbar nicht hergeben mag und doch merke, ahne ich auch hier: Das, was ich wirklich nicht loslassen will sind nicht die Bücher selber, sondern die damit einhergehende Selbstversicherung, dass ich irgendwie „was bin“, denn ich habe mir Wissen angelesen. Es geht also um die Sehnsucht nach Prestige, also einem Punkt den ich noch in Gänze ablegen sollte, wenn ich mich ganz auf Gott und den Menschen, dem ich dienen will in meinem Dienst, konzentrieren will.

Zum Thema Armut gehört für mich aber noch ein anderes Thema von dem ich das Gefühl habe, dass es nicht nur für mich ein Thema ist:

Ich brauche nur ein Zimmer – ich freue mich aber auch auf meine Arbeitszeit, wenn es dann auch mehr sein werden, mindestens zwei – aber das brauche ich. Scheinbar. Und auch hier. Es geht nicht um das Zimmer, es geht um etwas Anderes. Es geht um meine Privatsphäre. Es geht darum sich immer mal wieder zurückziehen zu können, selbst sein können ohne im zwischenmenschlichen Dialog sein zu müssen. Die Tage in der Gemeinschaft mit dem Mehrbettzimmer, auch die Zeit auf der Bibelreise mit der dauerhaften Gemeinschaft bei Tag und Nacht bringt und brachte mich an meine Grenzen. Ich denke ich habe diese gut gemeistert, aber ich weiß nun, dass ich mich genau darum sorgen muss: Raum zu haben für das Private. Dabei kommt mir der Rahmen in Erinnerung den sich Prof. Halik schafft in seinen Exerzitien. In einem seiner Bücher beschreibt er in welchem Umfeld er sich erholt und seine Bücher schreibt. Das ist in einem Kloster in dauerhaften Gegenwart Gottes, im Angesicht des Leibes Christi in einer Monstranz. Halik setzt sich dem Blick Gottes in ganz besonderem Maße aus. Das sehe ich gerade als eine Privatsphäre an nach der ich mich sehne.

Ich bin sehr gespannt was das Thema mir weiteres bringt.

Als ich vor einiger Zeit das Zimmer im Seminar wechseln durfte ging es wieder um das Ein- und Auspacken und es juckte mich ungemein in den Fingern mich wieder von Dingen zu trennen. Zuerst schmiss ich dann wieder Papier weg. Die moderne Technik ermöglicht mir hier einiges. Ich brauche keine Papierlager mehr, denn ich scanne alles ein, was machbar ist. Eine Datei hemmt mich nicht, schafft mir nicht die Frage: Wohin räume ich das. Ich denke, dass Armut eben da auch was mit Freiheit zu tun hat. Armut-Freiheit-Privatsphäre sind für mich aktuell drei Begriffe die sich gegenseitig bedingen, die zusammengehören.

Zurückkommend auf das Zitat von Mey gehört dazu auch das Thema der Freundschaft. So wie es die materiellen Punkte der Armut gibt, gibt es auch die persönlichen Aspekte, die ich eben schon benannt habe. Es kommt aber auch noch ein entscheidendes Thema hinzu: Liebe! Das ist nicht allein ein Zölibat-Thema. Auch eines für die Frage nach dem Reichtum. Um all das zu meistern, um sich zu konzentrieren auf das Wesentliche braucht es eben das Wesentliche: Liebe, Liebe zu Gott, aber auch zu den Menschen und da ganz besonders zu Menschen, die einem Liebe auch schenken. Hier also: Freunde.