Isaac Bashevis Singer: Ein Tag des Glücks 

Der Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer ist ein Meister darin, auf wenigen Seiten einen ganzen Lebenskosmos zu umschreiben. In den zweiundzwanzig Erzählungen des Bandes Ein Tag des Glücks tauchen wir ein in die alte jiddische Welt der Schtetl und seiner Reste in Amerika und entdecken Welten voller seltsamer, trauriger Charaktere, die vom Leben gezeichnet sind. Durch seine erzählerische Kraft lernen wir Rabbiner, Prostituierte, Lyriker, Mystiker, Liebende, Holocaust-Überlebende, talmudische Gelehrte, Gefangene kennen, die ihr Leben zwischen Büchern, Magie, Religion, Leid, Liebe und Hoffnung leben.Was mich an diesen Geschichten besonders bewegt, ist die Auseinandersetzung mit der Frage, wie man mit dem Schicksal und mit der Erfahrung, dass das Leben flüchtig ist, umgeht. Singer zeigt uns Menschen, die ihr Leben nicht eigenverantwortlich leben können, in Abhängigkeiten hilflos dahinwabern, aber auch solche, die um Sicherheit kämpfen. Manche reagieren auf das Schicksal mit Fundamentalismus und so Geist und Leben einengen. Andere ergeben sich ganz und gar, suchen nach Haltegriffen und warten darauf, dass ein Wunder geschieht. Antworten auf Lebensfragen finden sich in diesem Buch nicht. Es bietet aber genügend Geschichten, um darüber nachzudenken. Das Verstehen kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene. 

Isaac Bashevis Singer: Ein Tag des Glücks (Bestellen) Geschichten von der Liebe, Suhrkamp, 14 Euro