Es geschah, als sie dort waren

27. Dezember

Intro zum Beitrag bei Advent-Online 2023: Wenn im Lukasevangelium die Christi Geburt so klar räumlich benannt wird, so stellt Björn Siller, Autor des heutigen Beitrags, sich die Frage, wie er, gerade angesichts all der schockierenden Weltereignisse, diese Zusage der Geburt im hier und heute noch glauben kann. 

Es geschah, als sie dort waren, 

Lukas 2,6 

Lukas ist da sehr genau: Dort in Bethlehem, da geschah es. Für ihn kann es nur in Bethlehem geschehen. Wo denn sonst? Aber wer Bethlehem besucht, taucht ein in absolute Gegensätze und wird zur Frage verleitet: Wieso gerade hier? 

Neonleuchten, Lärm und dann die Stille der Geburtskirche. Immer und überall das Jesukind und dann das Kinderhospital. Die Botschaft der Bibel, die Zusage: Gott rettet, die schon im Namen dieses Kindes steckt und dann mitten in einem Land, das geprägt ist von Streit, Terror, Hass.  

Angesichts der vielen schrecklichen Meldungen, gerade überlappen die Terrorbilder der Hamas und die Bomben in Gaza meinen Alltag, bin ich geneigt, die Orte des biblischen Geschehen statt „dort“ einfach mystisch zu deuten. Das „dort“, der Geburtsort ist ja in uns, heißt es in einem viel zitierten Text: Wär` Christus tausend Mal zu Bethlehem geboren und nicht in dir … wir kennen das alles. Aber ist das nicht eine billige Tröstung? Billig deshalb, weil ich in aller Sehnsucht nach Tröstung merke, da trägt gerade etwas nicht. 

Die Bilder und Meldungen unserer Tage und davon ausgelöste Ängste überlagern die Worte, die Bilder, Texte und Auslegungen der Botschaft. Wie kann die Botschaft wahr sein, wie kann es ein „dort“ geben, wenn das „hier“ so ist, wie es ist? Aktuell reibt es mich mehr denn je auf und es macht es mir schwer, in die Liturgie und ins Gebet zu gehen. Immer wieder diese „Aber!“- daran habe ich zu knabbern. Jeden Tag auf ein Neues und eventuell geht es Ihnen und Euch auch so: Wenn mein Gebet, wenn die Bibel auf die Wirklichkeit trifft, dann gibt es ein Kulturclash. 

Eventuell ist für Sie und Euch auch das ein billiger Trost, aber ich denke und hoffe wirklich, dass sich irgendwo in diesem Aber eine Antwort versteckt. Nicht als Gegenbeispiel, nicht als ein neues „dort“, als ein neuer Ort, sondern als eine Alternative in einer Aufforderung zu einer Frage, die Paul Gerhardt, aus meiner Sicht so wunderbar, ins Wort gebracht hat: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir?“

Das Aber motiviert mich in diesem Fall, Abschied zu nehmen von einem oft nicht greifbaren „dort“ zu einem „hier“ in meinem Leben. Damit nehme ich Abschied von einem wo und begrüße ein wie!