Marco Balzano: Bambino

Von der ersten Buchseite an ist klar, dass Mattia Gregori, Bambino genannt, hingerichtet werden wird, so wie er selbst Hunderte ermordet hat. Er, Sohn eines Uhrmachers in Triest und einer unbekannten Mutter, stellte sich sein Leben lang auf die Seite der Starken. Voller Lust übt er Gewalt aus. Als Kind quält er Tiere, als einer von Mussolinis Schwarzhemden Menschen. Bambino weiß, was er tut. Er kennt seine Fehler, aber er wird sich, wenn er vor der Wahl steht, immer wieder für die Seite der Gewalt entscheiden: in Mussolinis Italien, während der Nazi-Besatzung und auch danach. 
Marco Balzano beschreibt in Bambino das Leben eines Antihelden. An ihm erahnen wir jenen schmalen Grat zwischen Gut und Böse, wir erleben die Abgründe eines Menschen, der bewusst den Faschismus, den Hass und die Gewalt wählt. Ein Mensch wie du und ich, fähig sich zu entscheiden, wissend um sein Tun und um die Folgen.
Mit Bambino gelingt Balzano, eine abstrakte Ahnung von einer menschlichen Wirklichkeit greifbar zu machen, die wir gerne verdrängen. Er erzählt dies voller Spannung, unterhaltsam und so nah an einer möglichen Wirklichkeit, dass es einem vor den Menschen grausen kann.