Jhumpa Lahiri: Das Wiedersehen

Römische Geschichten. Rowohlt Verlag, 24 Euro

Mit Das Wiedersehen publizierte der Rowohlt Verlag vor wenigen Wochen eine Sammlung von Kurzgeschichten der Pulitzerpreisträgerin Jhumpa Lahiri in deutscher Sprache, die unter dem Titel Racconti romani (Römische Geschichten) 2022 in Italien erschienen waren. Lahiri römische Geschichten erzählen von Ausgrenzung, Rassismus, von Einsamkeit und Distanz in einer präzisen, klaren und schlichten Sprache. Ihr gelingt es in wenigen Worten die Situationen und Ereignisse zu umreißen, durch Leerstellen den Protaginist:innen Räume zu geben, die wir ausdeuten können und durch die Präsentation von Kleinigkeiten und Augenblicken, die großen Lebensfragen zu benennen und ihnen eine Universalität zu geben. Faszinierend ist die Distanz, die Fremdheit, die diese in Rom lebenden Personen zur Stadt haben. Faszinierend deshalb, da dies vielen Fremden in Rom so geht. So sehr man in diese Stadt eintaucht, so fremd, so ungreifbar wird einem diese und die Menschen hier. Besonders eindrücklich gelingt ihr das im Kapitel Die Treppe. Rund um eine Treppe im Stadtviertel Trastevere gruppiert Lahiri Menschen, deren Lebensort diese Treppe ist und doch begegnen sich diese hier nicht. Die Treppe ist ein Ort, der in seiner Fluidität und Objekthaftigkeit zu einem allen verbindenden Faden wird, der die Unterschiede mehr aufzeigt als ausgleicht. Sie ist Idylle und Symbol all dessen, was ein Leben unerträglich machen kann. Und sie steht für Rom, welches die Menschen bindet und ausspuckt. Ein gelungenes Buch über das Leben, die Sehnsucht nach Verortung und damit über Rom, eine Stadt, die in all ihrer Ewigkeit noch heute sich selbst sucht. [BS]