Still und so verliebt ins Lesen

Diesmal hab ich ein eBook gelesen. Das Haptische fehlt mir noch immer, auch wenn der Inhalt schön ist.

In Yagisawa Buch „Die Tage in der Buchhandlung Morisaki“ hat das Lesen einen ganz besonderen Wert, steht es doch im Mittelpunkt – oder steht doch eher das Wahrnehmen/Sehen des/der Anderen. Im Mittelpunkt?

Daher ist wohl ein Zitat aus dem Buch eine ganz gute Überschrift: „Sehen. Was bedeutet das? Es bedeutet, mit einem Teil, vielleicht sogar der ganzen Seele Besitz von etwas zu ergreifen.“

Und die Seele, das in Beziehung treten der Seelen, wird hier (wenn auch manchmal mit Hürden) zugelassen. Für mich ein schönes Bild, denn damit zeigt sich, dass Beziehungen sich verändern wenn man sich aufeinander einlässt, also nicht nur von Verstand und/oder körperlich, sondern eben auch mit der Seele.

Das zeigt sich in dieser Geschichte an so vielen Punkten, genauer immer da wo die Gefahr besteht, dass aus Angst und Trauer, der/die Einzelne zu sehr auf sich selbst gerichtet ist. Erst wenn die Protagonisten nicht diesen Gefühlen den alleinigen Raum geben, sondern diese in ihrem Leben bzw. in dem Beziehungsgeschehen ihre destruktive Allmacht entziehen, verändert sich etwas, wird das Leben tiefer.

Die Geschichte spielt im Umfeld von Büchern, eines Antiquariates, deshalb gibt es schon an sich ein Pluspunkt für mich. Was mir noch an diesem Buch gefällt ist die Ruhe, die Stille des Textes. Die Geschichte fließt, sie ist „ein Boot das sich der Strömung überlässt“ und damit „leicht und unbeschwert“ dahingleitet, und mich wunderbar mitgenommen hat.

Satoshi Yagisawa: Die Tage in der Buchhandlung Morisaki. Verlag Insel 2023.