Lust am Lesen, auch bei einem Sachbuch!

Mit „Von Rom bis an die Ränder der Welt“ erschien 2020 ein neues Werk aus der Feder von Professor Arnold Esch, ehemaliger Direktor des Deutschen Historischen Instituts. Das neue Buch erscheint fast, wie ein weiterer Teil aus einer mehrteiligen Reihe an Büchern, denn auch diesmal sind die einzelnen Texte eher Spaziergänge durch geschichtliche Räume. 

Diesmal nimmt Arbold Esch die Lesenden über römische Fernstraßen mit in das historische Burgund, auf die Höhen der Schweizer Pässe oder an den Limes. Er lässt uns eintauchen in Landschaften in Italien, in die griechische Inselwelt des Mittelalters, lässt uns mitreisen mit Pilgern nach Jerusalem, quer durch Deutschland bis in die Niederlande oder gewährt uns Einblicke in Reiseberichte, Register, Quittungsbücher, Rollen, und vielem mehr. Damit stellt uns der Autor Menschen aus allen möglichen Gesellschaftsschichten vor: Adelige, römische Soldaten und Handwerker, Pilger, Reisende, Kaufleute, Kardinäle, gescheiterte und erfolgreiche Existenzen. Das Gemeinsame all dieser Geschichten ist, auch wenn wir in diesem Buch diesmal wirklich bis an die Enden der Welt eilen, wieder die Beziehung zu Rom, von der Antike bis hin zum Papsttum des 20. Jahrhunderts.

Ein Unterschied zu den früheren Büchern ist die Breite der Themen und der große Sprung durch die Epochen und Zeiten. Übereinstimmend zu den vorherigen Büchern ist, dass auch dieses Buch ein prallgefüllter Raum der Geschichten und Entdeckungen darstellt. Wieder ist das Buch ein Quell der Neuentdeckungen, denn auch für Geschichtsfans ist dieses Buch voller Neuentdeckungen, weil es wahrlich ein Spiegel all jener Archive darstellt, aus denen der Autor schöpft. Esch meistert es aus der Summe der sicherlich oft trocken daherkommenden Zahlenreihen, Berichten und Darstellungen ein lebendiges Kaleidoskop der Geschichten zusammenzustellen. Er schafft es auf jeder Seite eine Welt zu beschreiben, die nicht irgendwie fern ist, sondern spannend und gefüllt mit Informationen, die begeistert und die zumindest bei mir zu einer weiteren Leseliste geführt hat. Wer dann noch daneben, auf seinem Endgerät die jeweilige Landschaft aufruft, ist endgültig gefangen. Das Buch informiert und es motiviert zu weiteren Entdeckungen.    

Manch eine Geschichte, und da sticht die Reise am Limes entlang heraus, bietet sich auch absolut an, sie selbst, vor Ort, nachzugehen. Dank der mitgelieferten Positionsbestimmungen ist solch eine Urlaubsreise gut machbar. Am liebsten würde man dazu Esch einladen, das müsste dann die absolute Steigerung des Genusses sein.

Es ist absolut großartig, dass es solche Bücher gibt. Hier entdecke ich immer neue Informationen und Geschichten und wenn ich auch immer wieder Google hinzuziehen muss, um Bildungslücken zu schließen, so ist die Lesezeit eine Lust und ein dauerhafter Ertrag. Mit der Fülle der Informationen, die fundiert und unterhaltsam aufbereitet sind ist das neue Buch von Arnold Esch ein weiterer Beweis, dass wissenschaftlich fundierte Fachbücher nicht langweilig sein müssen. Und es ist eine Aufforderung an die Kolleginnen und Kollegen der Wissenschaft den Spagat anzugehen, zwischen Sachbuch und wissenschaftlicher Monographie um zu einem literarischen Sachbuch zu gelangen.

Esch, Arnold: Von Rom bis an die Ränder der Welt. München 2020.

Einmal muss das Fest ja kommen

220 Seiten die viel zu lange ungelesen in meinem Regal gestanden sind. Das sind die Seiten des „Reisebuches“: „Eine Reise zu Ingeborg Bachmann“ von Frauke Meyer-Gosau (im C. H. Beck-Verlag). Dabei handelt es sich wirklich um ein Reisebuch. Es ist ein Reisebuch der Autorin zu den Lebens- und Schauplätzen des Lebens von Ingeborg Bachmann. Es ist ein Reisebuch in der die Autorin eine neue Bachmann kennen lernt, eine Autorin und Mensch, die eben nicht (nur) so ist, wie sie im Laufe der Jahrzehnte in der Öffentlichkeit geworden ist. Es ist ein Reisebuch für den Lesenden, denjenigen der Ingeborg Bachmann erst jetzt entdeckt. Dabei liegt (meiner Meinung nach) der Fokus auf jene Lesenden, die keine jahrzehntelange Erfahrung mit Ingeborg Bachmann haben.

Und somit: Das vorliegende, schon 2008 erschienene Buch ist ein Buch für die Nachgeborenen. Ein Buch, das zur Lesehilfe werden kann und darf für die Gedichte, Texte, Romane und Beiträge die Ingeborg Bachmann geschrieben hat.

Station macht die Autorin in Rom, in Berlin, Zürich, Paris, Wien, Klagenfurt und auf Ischia. Überall sucht sie räumliche und persönliche Zeitzeugen: Häuser, Wohnungen, Zimmer, Freunde und Lebenspartner kommen zu Wort und schaffen Annäherung an Ingeborg Bachmann. Annäherungen, die zu Lesehilfen werden für einzelne Gedichte und Romane.

Die Sprache dieser Reisebiografie lädt ein zum zügigen lesen. Sie ist ästhetisch ansprechend. Nur manchmal lässt sie eine schale Frage zurück ob es bei diesem Buch um die Bachmann geht oder um eine sprachliche Übertrumpfung der Beschriebenen.

Immer wieder werden biografische Verbindungen zu einzelnen Romanfiguren und Gedichten hergestellt. Das ist stimmig. Das dürfte wirklich der Fall sein. Die Warnung, dass aber hier keine eins-zu-eins Übertragung erfolgte, die kommt aus meiner Sicht eher zu schwach und zu spät.

Eines störte mich noch: Die Wiederholung einzelner Zitate. Bis zu drei-vier Mal finden sich die gleichen Zitate, was im ersten Moment dazu führt die Frage zu stellen, ob die Biografieautorin nur das gelesen hat, oder ob die aufgestellten Bezüge und Belege  einseitig sein könnten.

Aber abgesehen von diesen drei Punkten, die ein bisschen stören ist es ein wunderbares Buch und wirklich ein Buch, das für jeden (jüngeren Leser, wie das mit erfahrenen Bachmann-Leser ist, weiß ich nicht), der gerne deutschsprachige Literatur ließt, ansprechend ist. Es gibt einen Blick frei auf Ingeborg Bachmann, auf die literarische Welt der Nachkriegszeit und bietet eine Fülle von kleinen wunderbaren Momenten auf viele andere Persönlichkeiten des Literaturbetriebes.

Für Romliebhaber sind gerade die ersten 70 Seiten etwas Wunderbares. Das heutige Rom mit Ingeborg Bachmann zu entdecken, das ist etwas Schönes und hat mich schwelgen lassen. Nicht zuletzt auch, weil hier nicht nur Räume, sondern Personen auftauchen, die manch ein deutsch-Römer noch erleben durfte.

Ein Heiligenführer für Rom

Warum braucht es einen weiteren Reiseführer für die Kirchen Roms? Das ist bei jedem dieser Bücher die große Frage. Mein Rom-Regal ist gefüllt genug und so manch ein Rombuch war und ist seinen Preis nicht wert. Es gibt gerade hier sehr viel Schund und manchmal denke ich wir sollten mehr über die Bücher sprechen die sinnlos ist, damit sie wirklich nicht gekauft werden – aber hier und heute will ich euch ganz kurz ein Buch an die Hand empfehlen, das ich einfach wunderbar finde.

Von Silvia Ofenbach ist im Jahr 2012 im Vatican-Verlag (LEV) ein Buch erschienen, das es leider bis dato nur in italienischer Sprache gibt: „Sulle orme dei Santi a Roma. Guida alle icone, reliquie e case dei santi.“  Der Titel sagt eigentlich schon alles und verspricht eine ganz eigen Art und Weise die ewige Stadt zu erkunden. Dabei gibt es die verschiedensten Ansätze zu diesem Buch. Der eine nimmt den Reiseführer und durchwandert Rione für Rione und entdeckt über die Kirchen die Heiligen. Die andere Nutzungsversion, die ich bevorzuge ist über das Indice. Wie zum Beispiel am heutigen Tag, dem Gedenktag der Enthauptung des Hl. Johannes des Täufers, kann man nach dem Heiligen suchen. Man schlägt die Namenslistung auf und findet mehrer Seitenzahlen, was bedeutet mehrere Kirchen in denen Bilder oder Reliquien des Heiligen sich befinden. So finden sich heute zum Beispiel Hinweise auf Orte der besonderen Verehrung, auf das Patronat des Heiligen über Kirchen, Bildnisse (Ikonen), und Reliquien wie in diesem Fall eine Unterkieferreliquie, die Kopfreliquie und weitere Reliquienteile.

Jetzt mag das manchem Makaber erscheinen solch eine Form der „Stadtbesichtigung“, aber ich empfinde das nicht so. Vielmehr bietet dieser Besuch bei den Heiligen, über diesen Reiseführer, die Möglichkeit eben tiefer in die Traditionen, in die Kunst und Kultur und in die Frömmigkeitsgeschichte einzutauchen. Hinter all diesen Reliquien verbergen sich Geschichten rund um die Menschen, denen diese Orte wichtig waren. Die Menschen lebten damals mit ihren Vorbildern, sie waren ihnen Halt und Hoffnungszeichen, dass das Leben zu meistern, dass ein Leben als Christ möglich war und ist. Die sichtbaren „Beweise“ haben hier geholfen und auch mir helfen sie noch immer. Dazu kann ich immer wieder die Fußreliquie der Hl. Maria Magdalena anführen. Sie befindet sich in der Kirche San Giovanni Battista dei Fiorentini. Auf der einen Seite gibt es hier durch die Reliquie einen ganz besonderen Raum um sich bewusst zu machen, dass Jesus Christus nichts fernes ist. Die Erfahrung der Auferstehung ist nur einen Schritt entfernt, einen Schritt den Maria Magdalena getan hat. Sie war die Erste. Ihr Fuß steht dafür. Diese Fußreliquie kann mich aufmuntern, mir Hoffnung geben und mich auffordern: Geh voran! Auf der anderen Seite, nach dem Gebet und der Kontemplation sehe ich die Kunst, die Frömmigkeitsgeschichte, die Geschichte darum herum und nehme auch hier immer wieder einen neuen Aspekt, neue Gedanken dazu mit, für mich, für mein Glaubensleben.

Deshalb empfehle ich dieses Buch, das sicher nicht vollständig ist, aber doch einen guten Einblick, einen gute Herangehensweise sein kann für all jene die nicht zum ersten Mal in Rom sind bzw. für all jene, die Rom auch spirituell aus einem besonderen Blick auf die Gemeinschaft aller Gläubigen erfahren wollen.

Wie schon gesagt, das Buch ist nicht in deutscher Sprache erschienen. Es handelt sich aber bei den einzelnen Texten und Hinweisen um Texte, die so kurz und so prägnant und Listengleich sind, dass eine Übersetzungsapp oder ein Wörterbuch reichen um von diesem Buch zu profitieren.

Es ist wunderbar, dass es dieses Buch gibt und ich empfehle es jedem der Rom mehrmals besucht.

Bei amazon findet sich das Buch aktuell zu einem überteuerten Preis in der Neuausgabe. Es gibt aber auch gebrauchte Exemplare. Ansonsten empfehle ich einen Besuch in der Libreria Benedetto XVI., direkt an der Piazza Pio XII., Hausnummer 4, also rechts vor dem Petersplatz. Die Buchhandlung wird von der Libreria Editrice Vaticana betrieben und verkauft das Buch.