Änderung in der Ausbildung

In wenigen Tagen ist es soweit: Die lange diskutierte „Amazonas“ – Synode beginnt. Wir dürfen alle gespannt darauf sein, was sie bringen wird. Eines ist sicher, sie wird Erwartungen, die aufgebaut wurden und die nicht auf theologische Realitäten fußen enttäuschen. Die Synode wird aber auch sicherlich zeigen, dass Kirche (zum Glück) keine demokratische Institution ist sondern eine synodale, vom Heiligen Geist geprägte.

Da das Arbeitspapier nicht in deutscher Sprache vorliegt – zumindest habe ich es nicht gesehen – dauert es für mich ein bisschen länger alles durchzuarbeiten. Dabei treibt mich schon auch der Art 126 in all seinen Untergliederungen um. Es ist ein wichtiger Ansatz sich nochmal bewusst zu werden, dass Kirche aus der Eucharistie lebt und auch nur aus ihr, der Quelle und dem Höhepunkt, leben und überleben kann. Daher finde ich es sehr wichtig über Inkulturationsprozesse und über die Frage zu diskutieren, wie finde ich „mich“ als Gläubiger in der Liturgie wieder. Das sind wichtige Themen, auch und gerade deshalb, da ich gerade im deutschsprachigen Raum Liturgien erleben, die absolut fern von mir sind und die mehr vom zelebrierenden Priester und dem Vorbereitungsteam erzählen, als vom Glauben, von Gott oder der aktuellen Wirklichkeit in der ich in den Gottesdienst hinein getreten bin.

Ein kleiner, sicherlich nebensächlicher Aspekt, treibt mich aber ganz besonders um. In Art 126 c findet sich der Satz: „Per questo, invece di lasciare le comunità senza l’Eucaristia, si cambino i criteri di selezione e preparazione dei ministri autorizzati a celebrarla.“ Klar, das Wörtchen „selezione“ bietet all jenen Hoffnung, die gegen das Zölibat sind und für eine Frauenordination. Darum geht es mir aber hier nicht. Mich beschäftigt eher das Wort „preperazione„, womit ich so viel herauslese, wie dass hier die Frage gestellt wird ob die Ausbildungsmodalitäten verändert werden sollen. Und da werde ich wirklich hellhörig, denn sowohl aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen in Deutschland, als auch aufgrund meinen Erfahrungen in der Weltkirche, an der Uni sitzend (gerade) neben lateinamerikanischen Priestern, finde ich das eine sehr fragwürdige Fragestellung, ob wir da was „erleichtern“ können. Es liegt in der priesterlichen Ausbildung sehr viel im argen und ich bin gerade echt der Meinung, dass wir mehr denn je, die Ausbildungsordnung des Jahres 2016 für die Priesterausbildung ganz genau lesen sollten und die drei Dimensionen sehr ernst nehmen sollten.

Für die Eucharistie braucht es aus dem allgemeinen Priestertum erwachsene „ministri“ des Weihepriestertum. Da bin ich absolut der Überzeugung. Aber hier eventuell auf eine Quantität zu setzten – noch mehr als wir es eh schon tun – statt auf Qualität in der Ausbildung, das ist gefährlich. Wenn diese Anfrage nach einer Veränderung der „preperatione“ zum Wohle der Kirche, zum Heil des einzelnen Gläubigen und zum Segen der Welt sein soll, dann braucht es hier ernsthafte Bemühungen zu einer tieferen und ehrlicheren Ausbildung der einzelnen Priester in ihren menschlichen, geistlichen und wissenschaftlichen Dimensionen.

Der Vorstehersitz

In der Herder Korrespondenz vom Mai 2019 weist Benedikt Kranemann auf einige Punkte in der Liturgie hin, die angesichts der Missbrauchsfälle, der Frage nach einem Klerikalismus, neu in den Blick genommen werden sollten. Dabei geht er auch auf den Vorstehersitz (S. 16) ein und greift ein Punkt auf, den ich schon lange, gerade im Kreis von Freunden, hinterfrage.

Immer wieder treffen wir in Kirchen auf Vorstehersitze, die bis hin zu kleinen Thronen herausgeputzt werden. Viele Sitzanordnungen für den Vorsteher sind so, dass sie der restlichen Gottesdienstgemeinde gegenübersitzen. Aber warum? Dieses Gegenüber und oft genug, durch den Chorraum, die Erhöhung schafft Trennungen und bietet Raum für Botschaften, die doch nicht gewollt sind, oder? Welche Ziele werden mit diesen Vorstehersitzen verfolgt und in wieweit ist dieses recht neue Möbelstück im Kirchenraum förderlich für die Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils in der „die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen“ ja gefördert und „institutionalisiert“ werden und damit der Aspekt des gemeinsam pilgernden Volk Gottes und dem allgemeinen Priestertums hervorgehoben werden sollte.

Immer wieder wird betont, dass die Positionierung des Vorstehersitzes und der anderen Sitzgelegenheiten im Kirchenraum zeigen sollen, dass man sich um den Altar herumgruppiert. Angesichts des Kirchenraumes war mir das aber nur sehr selten ganz schlüssig und ich stellte und stelle mir die Frage, ob die meisten der heutigen Raumkonzepte wirklich eine Entwicklung im Blick haben oder in erster Linie eine Abwendung zementieren wollen/wollten. Sind Vorstehersitz und Anordnung von Kirchenbänken wirklich eine Antwort auf die neu beachteten theologischen Ansätze oder nur ein „nein“ zum Hochaltar und manch einer da hineininterpretierte Theologie bzw. ein nein gegen Auswüchse der „alten“ Liturgie?

Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich bin keiner, der die ordentliche Form abschaffen will. Vielmehr stelle ich mir die Frage ob es nicht in der letzten Liturgieform Aspekte gibt, die eben eher nur aus einem „nein“ heraus entstanden sind.

Ich persönlich plädiere dafür, dass der Vorstehersitz neu ausgerichtet wird. Unter zwei Aspekten: Auf Christus hin und nicht dem Volk entgegen oder gegenüber. Da ich voraussetze, dass bisher das Volk auf ein Kreuz, auf den Tabernakel sich hin ausgerichtet hat, wäre es für mich somit logisch, dass der Priestersitz aus dem klassischen Konzept des Chorraums (wieder) herausgenommen wird und er sich einfügt, als Vorsitz, in das bisher dem Volk zugeordneten Konzept Daher: Stellen wir doch passende Stühle/Sitzgelegenheiten z. B. in einen Mittelgang, dort hin wo die erste Reihe der Kirchenbänke beginnt o. ä.. Dabei ist es zweckmäßig, dass der Vorsteher nicht einfach in die erste Reihe der Bänke sich setzt. Er/Sie braucht Bewegungsfreiheit und hat den Vorsitz innerhalb der Gemeinschaft, das soll schon sichtbar sein.

Mit dieser Veränderung würde der Aspekt der Prozession, der Bewegung, wie Guardini sie hervorhebt, wieder sichtbarer werden. Darüber hinaus würde sich klarer zeigen, wo und wie der Vorsteher eben seine Vorsteherrolle ausfüllt und wo er Christ unter Christen ist. Eine gemeinsame Gebetsrichtung wird hier sichtbar und ein bisher oft ungutes „Gegenüber“ verhindert. Die Einheit des Volkes kann so stärker herausgearbeitet werden. Alle gemeinsam sind wir Hörer des Wortes. Auch eventuell ganz besonders der Priester, denn sein Dienst ist der Dienst der Einheit und die kann nur gelingen durch das Wort und durch die Memoria.

Eventuell könnten sich einzelne Gemeinden, die in den letzten Jahren den Altar mehr in das Zentrum des Kirchenraums gerückt haben, die Frage sich stellen, ob es auch am Altar einer Neuausrichtung bedarf. Dies sollte aus meiner Sicht kein gesamt-kirchlicher Wandel sein, denn ein pauschales zurück zur Zelebration des Priesters an irgendwelchen fernen Hochaltären mag zwar ästhetisch schön sein, aber ersehe ich nicht als passend. Aber auch hier, beim Thema des Hochaltars, gerade in kleineren Kirchen und Kapellen, sollten sich Gemeinde und Leitung nochmal stärker die Frage stellen, was stimmig ist und wie gemeinsames hören und beten, wie „die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen“ im konkreten Gottesdienstraum wirklich gefördert werden kann – ohne kirchenpolitische Beweggründe und ohne Selbstinszenierung einzelner Personen und Gruppen (was eventuell zur Entsorgung von zu vielen Möbelstücken und so zu mehr Spielraum, Bewegungsraum führen könnte).

Zufrieden und hoffnungsvoll – Tagung III.

Nun sitzen wir wahrscheinlich – oder hoffentlich – alle wieder bei uns zuhause. Erstens gesund und zweitens doch sicher ganz zufrieden, wenn wir auch nicht all das so umgesetzt haben an der Tagung, wie es manche gedacht und geplant hatten.

Es ist ein weiterer abgedroschener Spruch, die Behauptung, dass nicht immer die greifbaren Ergebnisse und Protokolle das Wichtige sind bei solchen Terminen, sondern das, was scheinbar so nebenher geschehen ist. Abgedroschen ja, aber halt doch auch wahr.

Im vorherigen Post habe ich ja schon ein bisschen davon berichtet, was mich so überrascht hat. Es war die Offenheit und der Respekt, den ich in diesem Kreis erlebt habe. Überrascht hat mich das, weil ich eben aus meiner Erfahrung der letzten 10-15 Jahren andere Zeiten erlebt habe und Vertreter der kirchlichen Berufe, die entweder direkt polemisiert oder aktiv gegen die andere Berufsgruppe gearbeitet haben. Das waren nicht wenige, die ich so erlebt habe. Und das habe ich an diesem Wochenende, wie auch in den letzten Wochen und Monaten schon immer wieder, in dieser Form bei den aktuell studierenden in dieser Form nicht mehr erlebt. Es ist noch nicht der Rahmen entstanden den ich mir wünschte, dafür gibt es noch zu viele Ausbildende und Wortführende, die in der Sprache und Haltung mancher Gruppierungen und vergangener Generationen und Denkschablonen verhaftet geblieben sind und die jüngeren Theologinnen und Theologen damit prägen. Aber wir sind auf einem guten Weg des neuen Miteinanders, wo wir irgendwann nicht mehr zwischen Berufsgruppen, zwischen sogenanntem links und rechts, zwischen sogenanntem liberal und konservativ Gräben schaufeln. Eventuell lernen gerade in diesem Bereich solche Gruppen wie BDKJ, ZDK und die adäquaten „Gegenspieler“ in den anderen teilweisen doch recht extremen Gruppierungen etc. dies irgendwann auch einmal.

Aber zurück zur Tagung. Der Samstag begann ja mit einem Vortrag, der inhaltlich sicher interessant war und dessen Dozent auch kompetent, aber ein bisschen an einem großen Teil der Zuhörenden vorbei ging. Genauer gesagt an den Seminaristen. Zum Schluss kam der dozierende auf die Kompetenzen, die es zur Leitung braucht. Es stellte eine Liste vor, die stimmig war, für jedes Wirtschaftsunternehmen aber eben nicht ausreichend für kirchliche Leitung. Diese Liste brachte mir zwei Punkte: Erstens, dass wir dringend aufpassen müssen, dass wir nicht in eine falsche Richtung laufen, wenn wir mit Wirtschaftsunternehmen zur Beratung zusammenarbeiten. Zweitens war die Liste eine gute Grundlage für eine der später sich formierende Gesprächsgruppe zum Thema „Gemeindeleitung der Zukunft“.

Es gab drei Gesprächsgruppen. Die genannte, eine zum Thema Missbrauch/Studie etc. und eine zum Thema Ausbildung. Alle drei Gruppen hatten lebendige Diskussionen, eifrigster Austausch und irgendwann – was aufgrund der Fülle des Redebedarfs und des Mangels an Zeit schwer war – die Aufgabe, eine kurze Zusammenfassung der Diskussion und eventueller Konsense zu erstellen.  Diese wurden anschließend auch den anderen vorgestellt. Dabei wurde der Gedanke zurückgestellt, daraus ein Statement zu erstellen. Nicht, weil das nicht gut war, was gesammelt wurde, sondern allein deshalb, weil wir zu wenig Zeit hatten, all die Gedanken und Ansätze so zusammenzustellen, dass daraus ein Arbeitspapier werden konnte, das wir auch der Öffentlichkeit vorstellen wollten. Dies galt am Samstagabend erstmal nicht für unser Statement zum Thema Missbrauch. Eigentlich wollten wir und das wurde auch, daran weiterarbeiten und daraus für den heutigen Tag ein Statement dazu herausgeben. Nach weiteren Diskussionen, nach so vielen wunderbaren Gesprächen und auch aktiv geführten Gesprächen zeigte sich aber auch hier: So schnell geht das nicht.

Jetzt mag manchem das zu wenig sein. Ich finde es nicht. Warum? Erstens haben wir gemeinsam gearbeitet, uns ausgetauscht und gemeinsame Positionen beschrieben. Zweitens haben wir uns im Plenum darauf geeinigt weiter zu arbeiten und zuerst einmal ein kleines Papier zum Thema „Missbrauch“ gerade auch mit Blick auf unsere Ausbildungssituation herauszubringen. Das ist super, denn eben: Das soll gemeinsam geschehen. Interaktiv, digital und offensiv, so dass wir als Veröffentlichungsziel den Januar angesetzt haben. Also genau passend zur Sitzung aller Vorsitzender der Bischofskonferenzen beim Papst zum Thema. Wir nehmen das Thema und ganz besonders die Betroffenen ernst und wollen uns für diese und auch für unsere Zukunft einbringen. Seriös, qualitativ und motiviert!

Ich bin gespannt wo das weiter hin geht. Freu mich darauf.

Eine kleine positive Rückmeldung gab es für mich persönlich in der an die Morgendebatte sich anschließenden Versammlung der Deutschen Seminarsprecherkonferenz. Dort wurde ich als Vorsitzender vorgeschlagen. Dies hat mich gefreut, auch wenn ich dieses Amt nicht haben wollte und somit auch bei der Wahl nicht geworden bin. Die Frage kam heute nicht zum ersten Mal, mehrmals an diese Wochenende. Das war irgendwie schön.

Auch der Austausch in dieser Runde war sehr gut und auch wenn ich eher kritisch all dieser Gruppierungen, Verbände und Sitzungen bin, denke ich, dass es gut ist, dass es einen Austausch hier gibt.

Es gab wirklich viele gute Gespräche und ein gutes Miteinander. Klar natürlich an den beiden Abenden, die gefüllt waren mit privaten Gesprächen über Gott und die Welt, Politik und Gesellschaft aber eben auch immer wieder sich um unsere Situationen, Ausbildungen und die aktuell uns bewegenden theologischen Themen sich drehten. Das war gut. Genauso gut waren kleine gemeinsame Erfahrungen des Gebets, der geistlichen Zeit. Gerade wir Priesteramtskandidaten werden in all den Diskussionen über uns, ganz oft instrumentalisiert und sogar vergessen. Dort wo es um uns geht in den Diskussionen zeigt sich immer wieder, dass es nicht um uns geht, sondern um Ideologien, die erkämpft werden, mit allen Mitteln, auch mit verschiedenen Formen der Beleidigung etc. Dies erlebe ich auch viel zu oft von Mitchristen ja von hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Diese kleinen negativen Erfahrungen im Alltag werden weggewischt, wenn es Erfahrungen gibt, wie an diesem Wochenende. Jeder in der Gemeinschaft der Kirche – darum geht es und das zeigt sich gerade auch, wenn ich erlebe, dass StudentInnen auch das Stundenbuch in die Hand nehmen und mit uns an den verschiedensten Lebensorten und gerade auch bei der Tagung in das Lob Gottes einstimmen oder wenn Liturgie nicht mehr für Abtrennungen, sondern zur Einheit verwendet werden. Gerade das hat mir sehr gutgetan.

Das erlebe ich auch, wenn sich zukünftige Pastis und Priester die Frage stellen: Wie geht es dir? Wie erlebst du das mit dem Missbrauch, mit den Problemen in der Kirche, der Unsicherheit der Zukunft, etc.? oder bei den vielen anderen persönlichen Fragen, die zeigen: Ich habe Interesse an dir, denn du bist zuerst Bruder und Schwester in Christus.

Fazit: Es war keine heile Welt die Tagung, nicht alles und nicht jede Meinung und Haltung und Aussage hat mir gefallen, aber es war gut, dass es die Tagung gab. Gut für eine gemeinsame Zukunft. Gut für meine Entwicklung, meine Zukunft, meine weiteren Gedanken. Gut für ein weitergehen, gut für eine Zeit der Veränderung, die wir vor uns haben.

Wunsch: Die aktive Förderung der Regenten und der Ausbildungsleitungen, dass solche Tagungen öfters stattfinden und nicht geprägt sind von der Frage der Finanzierung.