Zukunft der Kirche

Aktuell denke ich, dass die einzige Chance die Kirche zu retten sich darin befindet sich auf die Ideen und Ansätze der OrdensgründerInnen und damit auf ein Jesus durchwirktes Leben zu konzentrieren. Hier finden sich eventuelle Antworten auf die wirklichen Probleme.

Die Ausrichtung der Orden auf die ganz persönliche Seelsorge war schon immer die Stärke des Christentum. Und hier haben die Ordensgemeinschaften seit Jahrhunderten die zentralen Aufgaben geleistet. Sie waren es, die sich nicht mit Strategien und Systemen aufgehalten haben sondern das Beziehungsgeschehen Jesus – einzelner Mensch im Wort und Tat gelebt haben. Ordensleute zeigen uns noch heute, in ihrem Handeln und Reden, welch lebensverändernde und lebensbejahende Kraft darin steckt, sich auf Jesus Christus einzulassen.

Ein erstarken des Christentums muss ganz zentral bei jenen beginnen, die das Christentum Verkündigen sollen. Auch hier kann das Ordensleben Vorbild sein. Einmal (Pater Nikodemus hatte das schon mal aufgegriffen) darin, dass wir das „Profil“ des Priesters (eventuell wieder) stärker in Verbindung mit dem Lebenskonzept der Ordensbrüder bringen (nicht nur Ehelosigkeit, sondern auch Armut und das Konzept der spirituellen Durchwirkung des Alltags, etc.). Zum Zweiten, dass wir alle MitarbeiterInnen darin befähigen (ausbilden und dann auch konzeptionell unterstützen) in einem noch stärkeren geistlichen Leben, das mehr denn je vom Konzept des „Dienstes“ her gedacht wird, zu leben und damit auch zu arbeiten. Zum Dritten, dass wir endlich ernst nehmen, was sich hinter der „Idee“ des Apostolates versteckt und dies nicht nur respektieren sondern aktiv fordern und fördern.

Änderung in der Ausbildung

In wenigen Tagen ist es soweit: Die lange diskutierte „Amazonas“ – Synode beginnt. Wir dürfen alle gespannt darauf sein, was sie bringen wird. Eines ist sicher, sie wird Erwartungen, die aufgebaut wurden und die nicht auf theologische Realitäten fußen enttäuschen. Die Synode wird aber auch sicherlich zeigen, dass Kirche (zum Glück) keine demokratische Institution ist sondern eine synodale, vom Heiligen Geist geprägte.

Da das Arbeitspapier nicht in deutscher Sprache vorliegt – zumindest habe ich es nicht gesehen – dauert es für mich ein bisschen länger alles durchzuarbeiten. Dabei treibt mich schon auch der Art 126 in all seinen Untergliederungen um. Es ist ein wichtiger Ansatz sich nochmal bewusst zu werden, dass Kirche aus der Eucharistie lebt und auch nur aus ihr, der Quelle und dem Höhepunkt, leben und überleben kann. Daher finde ich es sehr wichtig über Inkulturationsprozesse und über die Frage zu diskutieren, wie finde ich „mich“ als Gläubiger in der Liturgie wieder. Das sind wichtige Themen, auch und gerade deshalb, da ich gerade im deutschsprachigen Raum Liturgien erleben, die absolut fern von mir sind und die mehr vom zelebrierenden Priester und dem Vorbereitungsteam erzählen, als vom Glauben, von Gott oder der aktuellen Wirklichkeit in der ich in den Gottesdienst hinein getreten bin.

Ein kleiner, sicherlich nebensächlicher Aspekt, treibt mich aber ganz besonders um. In Art 126 c findet sich der Satz: „Per questo, invece di lasciare le comunità senza l’Eucaristia, si cambino i criteri di selezione e preparazione dei ministri autorizzati a celebrarla.“ Klar, das Wörtchen „selezione“ bietet all jenen Hoffnung, die gegen das Zölibat sind und für eine Frauenordination. Darum geht es mir aber hier nicht. Mich beschäftigt eher das Wort „preperazione„, womit ich so viel herauslese, wie dass hier die Frage gestellt wird ob die Ausbildungsmodalitäten verändert werden sollen. Und da werde ich wirklich hellhörig, denn sowohl aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen in Deutschland, als auch aufgrund meinen Erfahrungen in der Weltkirche, an der Uni sitzend (gerade) neben lateinamerikanischen Priestern, finde ich das eine sehr fragwürdige Fragestellung, ob wir da was „erleichtern“ können. Es liegt in der priesterlichen Ausbildung sehr viel im argen und ich bin gerade echt der Meinung, dass wir mehr denn je, die Ausbildungsordnung des Jahres 2016 für die Priesterausbildung ganz genau lesen sollten und die drei Dimensionen sehr ernst nehmen sollten.

Für die Eucharistie braucht es aus dem allgemeinen Priestertum erwachsene „ministri“ des Weihepriestertum. Da bin ich absolut der Überzeugung. Aber hier eventuell auf eine Quantität zu setzten – noch mehr als wir es eh schon tun – statt auf Qualität in der Ausbildung, das ist gefährlich. Wenn diese Anfrage nach einer Veränderung der „preperatione“ zum Wohle der Kirche, zum Heil des einzelnen Gläubigen und zum Segen der Welt sein soll, dann braucht es hier ernsthafte Bemühungen zu einer tieferen und ehrlicheren Ausbildung der einzelnen Priester in ihren menschlichen, geistlichen und wissenschaftlichen Dimensionen.

Der Vorstehersitz

In der Herder Korrespondenz vom Mai 2019 weist Benedikt Kranemann auf einige Punkte in der Liturgie hin, die angesichts der Missbrauchsfälle, der Frage nach einem Klerikalismus, neu in den Blick genommen werden sollten. Dabei geht er auch auf den Vorstehersitz (S. 16) ein und greift ein Punkt auf, den ich schon lange, gerade im Kreis von Freunden, hinterfrage.

Immer wieder treffen wir in Kirchen auf Vorstehersitze, die bis hin zu kleinen Thronen herausgeputzt werden. Viele Sitzanordnungen für den Vorsteher sind so, dass sie der restlichen Gottesdienstgemeinde gegenübersitzen. Aber warum? Dieses Gegenüber und oft genug, durch den Chorraum, die Erhöhung schafft Trennungen und bietet Raum für Botschaften, die doch nicht gewollt sind, oder? Welche Ziele werden mit diesen Vorstehersitzen verfolgt und in wieweit ist dieses recht neue Möbelstück im Kirchenraum förderlich für die Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils in der „die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen“ ja gefördert und „institutionalisiert“ werden und damit der Aspekt des gemeinsam pilgernden Volk Gottes und dem allgemeinen Priestertums hervorgehoben werden sollte.

Immer wieder wird betont, dass die Positionierung des Vorstehersitzes und der anderen Sitzgelegenheiten im Kirchenraum zeigen sollen, dass man sich um den Altar herumgruppiert. Angesichts des Kirchenraumes war mir das aber nur sehr selten ganz schlüssig und ich stellte und stelle mir die Frage, ob die meisten der heutigen Raumkonzepte wirklich eine Entwicklung im Blick haben oder in erster Linie eine Abwendung zementieren wollen/wollten. Sind Vorstehersitz und Anordnung von Kirchenbänken wirklich eine Antwort auf die neu beachteten theologischen Ansätze oder nur ein „nein“ zum Hochaltar und manch einer da hineininterpretierte Theologie bzw. ein nein gegen Auswüchse der „alten“ Liturgie?

Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich bin keiner, der die ordentliche Form abschaffen will. Vielmehr stelle ich mir die Frage ob es nicht in der letzten Liturgieform Aspekte gibt, die eben eher nur aus einem „nein“ heraus entstanden sind.

Ich persönlich plädiere dafür, dass der Vorstehersitz neu ausgerichtet wird. Unter zwei Aspekten: Auf Christus hin und nicht dem Volk entgegen oder gegenüber. Da ich voraussetze, dass bisher das Volk auf ein Kreuz, auf den Tabernakel sich hin ausgerichtet hat, wäre es für mich somit logisch, dass der Priestersitz aus dem klassischen Konzept des Chorraums (wieder) herausgenommen wird und er sich einfügt, als Vorsitz, in das bisher dem Volk zugeordneten Konzept Daher: Stellen wir doch passende Stühle/Sitzgelegenheiten z. B. in einen Mittelgang, dort hin wo die erste Reihe der Kirchenbänke beginnt o. ä.. Dabei ist es zweckmäßig, dass der Vorsteher nicht einfach in die erste Reihe der Bänke sich setzt. Er/Sie braucht Bewegungsfreiheit und hat den Vorsitz innerhalb der Gemeinschaft, das soll schon sichtbar sein.

Mit dieser Veränderung würde der Aspekt der Prozession, der Bewegung, wie Guardini sie hervorhebt, wieder sichtbarer werden. Darüber hinaus würde sich klarer zeigen, wo und wie der Vorsteher eben seine Vorsteherrolle ausfüllt und wo er Christ unter Christen ist. Eine gemeinsame Gebetsrichtung wird hier sichtbar und ein bisher oft ungutes „Gegenüber“ verhindert. Die Einheit des Volkes kann so stärker herausgearbeitet werden. Alle gemeinsam sind wir Hörer des Wortes. Auch eventuell ganz besonders der Priester, denn sein Dienst ist der Dienst der Einheit und die kann nur gelingen durch das Wort und durch die Memoria.

Eventuell könnten sich einzelne Gemeinden, die in den letzten Jahren den Altar mehr in das Zentrum des Kirchenraums gerückt haben, die Frage sich stellen, ob es auch am Altar einer Neuausrichtung bedarf. Dies sollte aus meiner Sicht kein gesamt-kirchlicher Wandel sein, denn ein pauschales zurück zur Zelebration des Priesters an irgendwelchen fernen Hochaltären mag zwar ästhetisch schön sein, aber ersehe ich nicht als passend. Aber auch hier, beim Thema des Hochaltars, gerade in kleineren Kirchen und Kapellen, sollten sich Gemeinde und Leitung nochmal stärker die Frage stellen, was stimmig ist und wie gemeinsames hören und beten, wie „die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen“ im konkreten Gottesdienstraum wirklich gefördert werden kann – ohne kirchenpolitische Beweggründe und ohne Selbstinszenierung einzelner Personen und Gruppen (was eventuell zur Entsorgung von zu vielen Möbelstücken und so zu mehr Spielraum, Bewegungsraum führen könnte).