Kein Reformer mehr

In den letzten Tagen geisterte mal wieder Hubert Wolf durch die katholische Medienblase. Diesmal mit dem Zitat: „Franziskus ist kein Reformpapst mehr“. Und so viele in dieser Blase stimmen im zu, sind enttäuscht, jammern, schreien … Die Damen und Herren sind enttäuscht! Für mich stellen sich da zwei Fragen: Was ist die Enttäuschung und was versteht die Blase unter einem Reformpapst?

Enttäuscht sein bedeutet doch, dass jemand jetzt die Wahrheit sieht, dass die Täuschung weg ist. Jetzt habe ich mich ein bisschen mit Psychologie beschäftigt und weiß, dass wahrscheinlich die meisten erlebten Enttäuschungen wenig mit einem Betrug des Gegenübers zu tun haben sondern mit einer Selbsttäuschung. Da interpretiert jemand etwas in einen Gegenüber hinein, das derjenige (ich bleibe in einem Geschlecht, meine aber beide) nie versprochen oder gesagt hat. Das bedeutet, hier platzen Vorstellungen, die von einem selbst projiziert wurden. Könnte das eventuell im Falle Franziskus der Fall sein? Wurden da einem Mann Hoffnungen und Vorstellungen übergestülpt, die er weder erfüllen kann noch versprochen hat zu erfüllen?

Franziskus ist kein Reformpapst mehr – das ist die These. Das setzt voraus, dass er es mal war. Das setzt voraus, dass er Reformen begangen hat und jetzt keine Reformen mehr durchsetzt. Aber welche Reformen soll er durchsetzten? Oder wird hier Reform mit geschichtlichen Vorstellungen von Revolution verbunden? Was hat er für Reformen versprochen und welche setzt er davon nicht um? Seine Reformversprechungen finden sich in Evangelii gaudium. Seine Reformen zeigen sich, wenn er das Volk Gottes, ganz im Sinne des II. Vatikanischen Konzils, in einer Pflicht sieht, eben Volk Gottes zu werden. Was das bedeutet gilt es theologisch zu diskutieren, gilt es wachsen zu lassen, gilt es auf einer Ebene zu beginnen, die eventuell sehr unangenehm ist.

Franziskus ist in seiner Lebensform, in seinen Worten, in seiner Präsenz als Papst ein Spiegel in den es gilt reinzuschauen: Was wir dann im Spiegelbild sehen, das ist das was uns noch fehlt – und das Fehlende zu finden, das ist die größte Reform des Papstes Franziskus!

Franziskus: Die Kraft der Berufung

Und ein weiteres Franziskusbuch steht im Schrank. Genauer: Wieder ein Interviewbuch. Das Format nervt so langsam, gerade auch deshalb weil die Gesprächspartner des Papstes nicht die spritzigsten sind. Der aktuelle Interviewpartner, Fernando Prado, hat diesmal Zwischentexte oder Erklärungen und eine Einführung eingefügt, die keine weitere sinnvolle Information liefern, eher nur die Seiten füllen.

Nichtsdestotrotz: Lesenswert ist das Büchlein sicherlich. Der Papst bestärkt die Schwestern und Brüder des geweihten Lebens und oft genug auch nochmal einzeln darauf hingewiesen, die Weltpriester in ihrem Dienst für Gott und Volk Gottes. Dabei verweist er auf die Texte, die diesen Dienst definieren (II. Vatikanum) und in welchem Kontext die Mitglieder des geweihten Lebens und Priester zum Volk Gottes stehen. Er motiviert sie nochmal mehr auf Jesu zu vertrauen, mehr Abschied zu nehmen von Sicherheit und seine drei „P“ als Grundlage für das Leben, für die Gemeinschaft, für den Dienst zu nehmen. Die „P“s  sind im spanischen vorhanden. Übersetz bezieht er sich hier auf Armut, Gebet und Geduld. Daraus heraus spricht Franziskus dann über die Qualität von Gemeinschaften und Gruppen, davon ausgehend spricht er aber genauso über Ausbildung und deren zwingend notwendigen Grundlagen.

Andeutungsweise spricht Papst Franziskus Themen rund um Macht, um Missbrauch aber auch über neuere geistliche Bewegungen, die manchmal nur vordergründig zum Vorteil der Kirche sind und in sich manche Probleme und Unmenschlichkeiten enthalten. Klar und direkt spricht er über die Themen „Rolle der Frau“, „Homosexualität“, „Klerikalismus“ und dem Grundauftrag der Kirche, der Mission, dem Glaubenszeugnis, das allein gelingen kann in einem vorgelebten positiven Glaubensleben.

Das Buch ist klein, das Buch ist kurzweilig. Das Buch bietet viele Textpassagen, die versierte Papst-Leser in vielen anderen Texten schon gehört und gelesen haben und trotzdem, so wie der Papst nie müde wird seine Christuszentrierung der ganzen Kirche zu verordnen, so dürfen wir auch dieses Büchlein nutzen zur Erbauung und zur Stärkung zu einem Leben, das die Botschaft Jesu Christi nicht nur prägt sondern auch ausstrahlt.

Fazit: Lesenswert, ganz besonders für kirchliche MitarbeiterInnen und Mitglieder des geweihten Lebens. 

Zur Ergänzung: Man wünscht sich ein besseres Lektorat. Allein auf der Coverrückseite sind drei Fehler, die Übersetzung kann besser werden, das Buch ist mit 16,00 € einfach zu teuer und es wäre schön, wenn Papst Franziskus sich kompetentere (im Bereich von Interview) und unterhaltsamere Gesprächspartner sucht.

Papst Franziskus: Die Kraft der Berufung. Ein Gespräch mit Fernando Prado, CMF. Freiburg, Basel, Wien 2018.

Brief von Ouellet an Vigano

Der Kurienkardinal Marc Ouellet, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe hat am vergangenen Wochenende einen offenen Brief an Carlo Maria Viganò geschrieben und ihm auf die Anschuldigungen geantwortet.

Ganz klar widerspricht er den Behauptungen die seit Wochen im Raum stehen. Damit ist er nach Kurienerzbischof Gänswein, der im Namen Benedikt XVI sich zu Wort meldete und nach Gerhard Kardinal Müller ein weiterer „Römer“ der den Aussagen des emeritierten Nuntius widerspricht.

Irgendwie wollen das aber so manche Kreise nicht hören. Jene Kreise, die der Meinung sind, die Wahrheit und Weisheit gepachtet zu haben und die gegen unseren rechtmäßigen Papst kämpfen. Diese Kreise nennen sich katholisch. Dabei stellen sie sich gegen den Papst, dem Oberhaupt der Kirche. Sie versuchen mit Halbwahrheiten, mit Beleidigungen und mit Winkelzügen ihr Benehmen zu rechtfertigen. Aber es ist schlussendlich nichts anderes als peinlich und fast schon schismatisch, was da geschieht.

Vor einiger Zeit gab es eine Bewegung die von uns forderte, dass wir uns zum Papst bekennen, mit einer Unterschrift. Damals habe ich das getan, aber mit dem Zusatz: Ich muss mich nicht explizit zum Papst bekennen. Ich bin katholisch. In der Liturgie bete ich täglich für den amtierenden Papst. Das ist der tiefste Ausdruck der Zuordnung meiner Person zum Fels Petri. Zwischenzeitlich muss ich aber sagen: Wir müssen als katholische Christen endlich „Farbe bekennen“. In unserer Kirche geschieht gerade etwas, was so nicht weiter gehen kann. Lagerbildungen führen zu Streit und Trennung, nicht zum Dialog und dass das so ist liegt nicht an Papst Franziskus sondern an jenen, die der Meinung sind, dass sie wüssten was Gott will. Dabei wollen sie nur eine Kirche nach ihren Wünschen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sage, aber die Feinde der Kirche befinden sich auch in unserer Kirche.

Der Nachfolger Petri ist Papst Franziskus! Es gibt keinen anderen Papst und ihm gilt es nachzufolgen. Gerne mit Fragen, auch mit Zweifel, aber nicht mit Beleidigung, Schmähung und Verunglimpfung.