Fraglich – Besorgt …

Es ist absolut gut und stimmig, dass Menschen für ihre Meinungen und Haltungen demonstrieren, dafür auf die Straße gehen und ihre Meinung sichtbar und friedlich vertreten.

Wer das Recht einfordert seine Meinung zu verkünden, der hat die Pflicht und die Sorge seine Meinung zu fundieren und diese nicht zu absolutieren, und damit andere Meinungen und Personen grundsätzlich zu negieren. Selbst die (scheinbar) positivste Meinung darf nie, absolut nie dazu führen, dass Menschen, die einer anderen Meinung anhängen negiert oder seelisch und körperlich angegriffen werden.

Wer das Recht einfordert zur Demonstration und zur Meinungsäußerung, muss auch eine kritische Beschäftigung damit einfordern, muss den Dialog wollen, muss offen und konstruktiv Kritik einfordern und annehmen.

Seit einigen Wochen ist die Aktion Maria 2.0 das Thema in gewissen kirchlichen Kreisen. Dabei gilt es zuallererst wahr zu nehmen, welche innerkirchlichen Kreise davon angesprochen werden – wie in anderen Fällen und im Bezug auf andere Bewegungen und Verbänden. Dazu braucht es auch die Frage, ob „laut“ auch identisch ist mit Attributen, die diesen Bewegungen zugesprochen werden.

Wer brav studiert, der/die erfährt spätestens in der Pastoraltheologie, dass es in der Pastoral, ja in allen Projekten und Sozialformen die sich in Kirche ergeben, die Frage nach Milieu, nach sozialen Strukturen etc zu stellen ist. Diese Frage sollte man sich auch einmal bei der angesprochenen Aktion Maria 2.0 und bei ihren UnterstützerInnen stellen. Wobei ich weiß, dass dies nicht getan wird und wer dies tut sehr schnell als „Gegner“ als „Konservativer“ abgestempelt wird.

Die VertreterInnen der Aktion haben einen Brief an Papst Franziskus geschrieben. Dabei haben sie Eingangs einige Aspekte der aktuellen Situation in Kirche aufgegriffen. Diesen  Aspekten kann ich ganz und gar zustimmen. In erster Linie kommen hier die Aspekte des Missbrauchs in den Mittelpunkt. Dankbar bin ich, dass sie sich nicht allein auf den sexualisierten Missbrauch beziehen sondern, indem sie das seelische Leid ansprechen, bewusst oder unbewusst auch die vielen leider zu wenig diskutierten Formen des geistlichen Missbrauchs in den Blick nehmen, den es viel zu oft in religiösen Kreisen gibt. Überall dort, wo Menschen dem Gegenüber ihre geistlichen Formen, ihre Glaubensmeinungen und Konzepte aufzwingen und andere Formen negieren, belächeln, abwerten.

Schwieriger wird es wenn man sich die gestellten Forderungen, die sich aus den benannten Aspekten heraus ergeben, betrachtet!

Ja, die Forderung, dass es „kein Amt mehr für diejenigen, [gibt] die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben“ kann ich voll und ganz unterschreiben, würde diese aber ergänzen um jeden und jede, die in Kirche aktiv ist, ob in Amt oder in Aufgabe. Geistlicher Missbrauch/Machtmissbrauch und sexualisierter Missbrauch ist kein Aspekt den wir nur in den Amtsträgern finden. Manche wünschen sich das, aber das Spektrum der Täter und Täterinnen ist weit größer als wir es uns wünschen.

Eine „selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte und uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden“, die gefordert wird dürfte eigentlich gar kein Thema mehr sein. Umso wichtiger ist es, dass kirchliche Kreise hier noch klarer handeln. Hier muss wirklich noch was geschehen. Weniger bedarf es dar Regeln (die haben wir meist schon) als endlich die richtige Grundhaltung.

Ausgehend von den Punkten die die Situation der Kirche beschreiben wird der „Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche“ und „Aufhebung des Pflichtzölibats“ gefordert. Wer von den im Brief angegebenen Punkten diese Forderung stellt, der unterstellt hier, dass Missbrauch durch Frauen nicht geschieht und dass das Zölibat am Missbrauch schuld ist. Jeder und jede die seriös sich mit diesem Thema auseinandersetzt kann diese Forderung in dieser Form eigentlich nicht mittragen. Diese Schlussfolgerung/Form der Folgerung ist absolut schädlich und zutiefst gefährlich, denn dahinter versteckt sich nicht eine positive Veränderung sondern ein Ziel der Trennung, frei und je nach dem wie geformt unter dem Motto: „Priester sind per se böse“. Sicherlich ist dieser Aspekt nicht gewünscht, der Brief bietet aber durch Sprache und Form genau diesen Aspekt.

Diese beiden Forderungen sind in diesem Konzept nicht haltbar und dass dies so gefordert wird ist eine unwissenschaftliche und undialogische Form. Wer die Forderungen von Frauenordination und Beendigung des Pflichtzölibats aufstellt sollte diese in einer theologischen Grundhaltung tun. Diese Form der Forderung der Frauenordination, wie auch die Reduzierung der Forderung (wie auch der Ablehnung) auf die Aspekte von Gleichberechtigung und Geschlecht ist theologisch unhaltbar. Wer hier einen Dialog und eventuelle Veränderungen wirklich will – innerhalb der christlich-katholischen Kirche – muss endlich (wieder) wissenschaftlich-theologisch argumentieren. Alles andere wirkt – so meine Angst – hin zu einer Kirchenspaltung. Zu oft geht es um ein „ich will“ und weniger um die Frage nach der christlichen Botschaft.

Die pauschale Forderung nach Abschaffung des Zölibats, im Bezug auf die Missbrauchsfrage, ist wissenschaftlich unhaltbar und eine unredliche Vereinnahmung der Situation und eine Beleidigung gegen die Betroffenen. Das Zölibat ist kein Glaubenssatz, er ist eine kirchenrechtliche Regelung, die nicht über katholisch/nicht katholisch entscheidet. Trotzdem vertrete ich eine klare Haltung dazu. Ich bin gegen die Abschaffung des Zölibats, denn ich sehe es als die entscheidende Lebensform für den Priester. Trotzdem oder gerade deshalb wünschte ich mir hier eine tiefe Diskussion, um den Sinn und die Tiefe des Zölibats und dessen theologische Verortung neu und verständlich herauszuarbeiten. Darüber hinaus wünschte ich mir gerade in dieser Diskussion eine größere Offenheit für den Heiligen Geist und für Einzelfallregelungen. Hier stellt sich für mich die Frage, wie auch in anderen Punkten: Lassen wir ein aktives Wirken des Heiligen Geistes zu, auch über unsere Konzepte von Sicherheit, Gerechtigkeit etc. hinaus?

Ein wunderbares, seit Jahren bedientes Totschlagargument wird im Bezug der kirchlichen Sexualmoral aufgegriffen. Sie sei nicht mehr an die Lebenswirklichkeit der Menschen angepasst. Das finde ich eine – entschuldigung da bin ich direkt – billige und langweilige These. Moralische Grundsätze sind immer in einer gewissen Gegenläufigkeit zu unserem Alltag. Damit müssen wir zuerst einmal auskommen und das ist doch auch zuerst einmal gut. Darüber hinaus sehe ich diese Aussage viel zu oft als eine Ausrede an, um sich nicht mit dem eigenen Leben, mit dem eigenen Benehmen auseinanderzusetzen. Die kirchliche Sexualmoral ist erst einmal unbequem. Ja das ist sie. Es ist aber hier die Frage, danach wie wir mit ihr umgehen. Ist sie Richtschnur oder Gefängnis? Ist sie wirklich so negativ oder ist sie es, weil sie in einer gewissen Form präsentiert und radikalisiert wird? Ist sie der Ausgangspunkt unseres Denkens, oder ist sie Hilfe und Stütze für die Menschen? Geht es um die Regel oder um den Menschen? Was passiert, wenn wir unsere Blickrichtung verändern? Die katholische Sexualmoral braucht auf der einen Seite Grundhaltungen, die sich ganz direkt auf die Botschaft Christi beziehen und zum Anderen daraus sich ergebende Folgerungen. Was passiert, wenn wir uns endlich einmal wieder an die Grundlagen/Grundhaltungen konzentrieren und davon ausgehend durchdeklinieren, was das bedeutet? Eventuell könnte es ja sein, dass es daraus Veränderungen gibt, es könnte aber sein, dass manche Aussagen der katholische Sexualmoral logisch sind, aber unbequem …

Völlig zerstörerisch für jede weitere Diskussion und Debatte, ja fast ein bisschen radikalisierend sind die beiden Schlusssätze der Forderungen: „Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. 
Holen wir sie vom Sockel! In unsere Mitte. Als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut, wie wir.“ – Nach diesem Satz frage ich mich: Ist Diskussion und Dialog gewünscht oder geht es hier darum „Wir haben Recht“ zu zementieren? Hier wird eine Sichtweise, eine sicherlich für manche Menschen zustimmende Haltung pauschalisiert und klar gesagt: Wer das obige nicht mit unterstütz ist gegen uns und hat nicht erkannt, dass wir recht haben, absolut, ganz und gar. Zu deutsch. Gespräch ist nicht erwünscht! Daraus kann eigentlich nur weiterer Streit, Hass und etwas sehr trauriges folgen …

Wenn Maria vom „Sockel“ geholt wird, damit sie in die gleiche Richtung schaut, wie ist es dann, schauen wir dann auch in die gleiche Richtung wie Maria? Auf Jesus? Leider habe ich die große Angst, dass die Blickrichtung nicht Jesus ist. Dies bedingt sich daraus, dass hier unter anderem die Eucharistie bestreikt wird. Am vergangenen Sonntag, bei der Priesterweihe, gab es vereinzelte Frauen, die sich zur Kommunion anstellten und als sie vorne waren den Leib Christi ablehnten. Ganz aktiv verweigerten sie den Leib. Jeder ehrliche Theologe/Theologin muss hier erzittern. Muss spätestens hier sagen: Da geht was falsch.

Die Frauen und jene, die gerade diesen Aspekt der Aktion unterstützen, die haben die Blickrichtung gewechselt und die nehmen den Bruch in kauf. Die Verweigerung der Eucharistie, die Reduzierung der Eucharistie als Kampfmittel als politisches Mittel ist der Angriff auf die Einheit. Bei Johannes heißt es: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“ (Joh 17,17-23)

Ich bin sehr Liturgiekonzentriert, genauer Christuszentriert. Mittelpunkt meines Lebens ist Jesus der Christus. Lebensmittel meines Lebens ist die Eucharistie. Hier bekomme ich das Lebensnotwendige, hier kann ich ausruhen, hier  – in der Gemeinschaft des Volkes Gottes, hier im gemeinsamen hören und sein – darf ich sein. Und hier bin ich existenziell verwundbar. Hier sind doch schlussendlich alle Christen als Christen verwundbar und hier kann die Einheit um die es geht existenziell zerstört und zerbrochen werden, wenn wir nicht mehr Gottesdienst sondern Götzendienst feiern, wenn wir die Eucharistie als Ideologie als Politikum verwenden und zerstören.

Meine Forderung: Ja, kämpfen wir alle gemeinsam für unsere Kirche, für eine Kirche, die eben Werkzeug ist für das Reich Gottes. Dies geht aber nicht indem wir uns zerstreiten, Brücken abbrechen und im schlimmsten Fall uns selbst in den Mittelpunkt stellen sondern indem wir uns – wie gefordert – gemeinsam ausrichten. Und da gibt es nur eine Richtung, hin auf Jesus Christus.

 

Ich trauere … und erbitte einen Wandel

Es schmerzt. Es schmerzt zutiefst, wenn wieder eine neue Meldung kommt zu einem der schlimmsten Themen die wir aktuell in der katholischen Kirche haben. Der Missbrauch von Menschen ist nicht zu entschuldigen, denn er ist wie der physische Mord auch eine Form von psychischer Mord. Menschen, die andere Menschen unterdrücken, sie sogar sexuell nötigen sind nicht zu entschuldigen. Priester die des tun erst recht nicht, denn ihre Schuld zählt um vieles mehr, haben sie doch den Schutz der Menschen als Aufgabe, die Stärkung der Seele, die Begleitung der Menschen zum Heil. Priester die aber sexuell missbrauchen pervertieren diesen Auftrag, sie zerstören die Seele und statt das Antlitz Christi zu erhellen verdunkeln sie es, da sie das Leben der Menschen zerstören.

Es ist mir unerträglich, was hier geschehen ist und auch wenn ich daran keinen direkten Anteil habe und ich wohl keine Priester kenne, die solch eine teuflische Tat begangen haben, so fühle ich mich als Teil des Gottesvolkes in einer Verantwortung.

Die Meldung, dass es im Bundesstaat Pennsylvania über 1000 Opfer gibt und über 300 Priester als Täter, frisst innerlich. Als Seminarist und Priesteramtskandidat habe ich diesen Schmerz mit aufzunehmen in mein Leben und in meinem täglichen Gebet das Leid der Opfer mitzutragen.

Heute Morgen sprach mich ein Christ im Freiburger Münster an und wir kamen in ein kurzes intensives Gespräch. Am Ende des Gesprächs sprach er mir Mut zu: „Sie wählen keinen einfachen Beruf, der gerade jetzt noch schwieriger wird, denn Sie müssen das alles ausbaden. Ich wünsche Ihnen viel Kraft“. Spontane Worte, die gut tun, die aber genau das aufgreifen was mich umtreibt. Das eine ist die Tat, verabscheuungswürdig, das andere sind jene, die durch Schweigen, durch Vertuschung, durch Schönreden Täter geschützt, Opfer verhöhnt und ihrer Verantwortung als Hirten des Volk Gottes missachtet haben. Auch wenn die Zahl von 300 Priester im Raum steht und die Aussage vom Einzeltäter in Frage stellt: Die Tat absolvierte ein Einzelner, aber es gibt viel zu viele Mittäter: Obere, Mitbrüder im priesterlichen Dienst, Bischöfe, Personalreferenten, Regenten, Spirituale und auch – das dürfen wir nicht vergessen – all jene im Volk Gottes, die die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen haben. Die Folge von Vertuschung und Verdrängung solcher Taten ist nicht der Schutz der Kirche, sondern führt zur Zerstörung. Das Antlitz der Kirche wird besudelt, Gott wird beleidigt, der Mensch zerstört.

Was ist der Grund, dass dies alles geschehen kann? Allein mit dem Fingerzeig auf den Zölibat ist diese Antwort nicht beantwortet. Vielmehr; ich denke nicht, dass es ein primäres Problem des Zölibats ist. Sonst dürfte sexueller Missbrauch in anderen Religionen und Konfessionen, im Sportverein, der Schule oder in den Familien nicht stattfinden. Vielmehr sind es mehrere Gründe, die wir endlich – BITTE – angehen.

Dazu gehört die Haltung von Verantwortungsträgern in der Kirche, die noch immer lieber etwas vertuschen, als dass sie offen und menschlich, die Themen und Probleme ansprechen, die Fälle seriös prüfen und Opfer schützen.

Dazu gehört eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität innerhalb der Kirche, aber auch innerhalb der gesamten Gesellschaft. Damit will ich nicht den Bösewicht in irgendwelchen Bewegungen aufzeigen. Vielmehr geht es darum, dass wir all die Überzogenheit im Themenbereich sexuelle Freiheit aber auch in der manchmal noch sehr engen katholischen Sexualmoral überprüfen und reflektieren. Männer und Frauen, die nicht über ihre Sexualität sprechen können, nicht zu ihren Neigungen stehen und sich mit ihnen auseinandersetzten, genauso wie jene Menschen, die eine exzessive Ausprägung der Sexualität leben, brauchen eine neue Form der Auseinandersetzung damit. Priester, Ordensleute und Theologen kommen aus der Gesellschaft und sind geprägt daraus. Eine Gesellschaft aber die selber nicht wirklich mit Sexualität und den Fragen dazu reflektiert umgehen kann ist keine gute Grundlage für die nächste Generation. Diese ehrliche Auseinandersetzung vermisse ich in unserer Gesellschaft. Verteufelungen oder Überzogenheiten wie wir sie erleben sind nicht hilfreich, sondern allein zwei Seiten ein und der selben Münze.

Dazu gehört eine seriöse Wachsamkeit für Fälle von sexuellem Missbrauch und Ungerechtigkeiten innerhalb der Gesellschaft und ganz besonders in der Kirche. Das bedeutet, dass wir weder pauschal verurteilen noch irgendwelche MitarbeiterInnen der Kirche behandeln wie Halbgötter (Klerikalismus). Alle im Volk Gottes sind Menschen und der Priester hat darin zwar einen besonderen Dienst, ist aber nicht über den Gesetzten.

Dazu gehört auch, dass wir innerhalb der Kirche nicht alles schwarz-weiß zeichnen, gerade im Umfeld der Sexualität und dem Thema von Sex. Die Kirche, oder genauer gewisse Strömungen ermöglichen eine Haltung zu diesen Themen, die nicht reflektiert und erwachsen ist, sondern vielmehr allein tabuisiert und somit eine Auseinandersetzung mit anstehenden Lebens-Themen unmöglich macht. Gott hat uns als Menschen geschaffen, als Menschen die Körper und Seele sind. Unser Körper ist der Tempel Gottes, in uns wirkt der Heilige Geist, deshalb kann es gerade in der heutigen Theologie, in der heutigen Frömmigkeit nicht sein, dass Körperlichkeit, dass Gefühle und Neigungen, dass all die allzu menschlichen Eigenschaften tabuisiert oder pauschal negiert werden. Wir brauchen zuallererst einen neuen Umgang mit der Körperlichkeit. Wir müssen mehr denn je endlich dafür sorgen, dass die Menschen frei und autonom mit ihrem Körper umgehen, ganz im Blick auf die Tatsache, dass wir Geschöpfe Gottes sind und eine Verantwortung haben unsere Ganzheit in die Nachfolge Christi zu stellen.

Dazu gehört auch ein entscheidender Punkt, der mich gerade ungemein berührt: Die Ausbildung! Hier gibt es wahrlich noch einiges zu tun. Gerade unter den Zeichen der weniger werdenden Seminaristen und MitarbeiterInnen in der Seelsorge muss die Ausbildung personenbezogener, persönlicher, individueller werden. Bei den Priestern bietet die neue Ration fundamentalis ausreichende Möglichkeiten dazu. Was aber auch hier noch dazu gehört: nicht nur die Rahmenbedingungen und Strukturen der Ausbildung, sondern auch das Personal muss qualifizierter werden und sich mehr der Verantwortung bewusst sein, die sie hier übernimmt; vom Regens und den anderen Ausbildern, über den Spiritual, Psychologen bis hin zu all jenen, die den Seminaristen begleiten. Wenn wir in der Ausbildung verschiedene Dimensionen betrachten, dann müssen die Ausbilder ebenfalls hier eine hohe Kompetenz aufzeigen.

Dazu gehört auch, dass die aktuellen Priester und MitarbeiterInnen in der Seelsorge sich endlich wirklich zu Fort- und Weiterbildungen auch nach der Weihe o. Beauftragung selbstverpflichten. Es braucht im gesamten Kirchenpersonal eine stetige Vertiefung der geistlichen Dimension durch Exerzitien und andere spirituelle Impulse. Es braucht eine stete Vertiefung der menschlichen Dimension durch Supervisionen, Mediationen, Weiterbildungen. Es braucht eine stetige Vertiefung und Erneuerung der wissenschaftlichen Dimension durch Teilnahme an Weiterbildungen, Diskursen und Reflexionen. Gerade diese Punkte werden seit Jahren gefordert, aber nur bedingt umgesetzt.

Dazu gehört, ganz nach Papst Franziskus, eine Kirche, die sich bewusst ist, dass „Kirche sein bedeutet, Volk Gottes zu sein“ (EG 114), die wieder mehr auf den Heiligen Geist vertraut und sich nicht blenden lässt von weltlichen Sicherheiten, Regeln und Strukturen. Dazu gehört eine Kirche, die sich um die Wirklichkeit sorgt, die Wirklichkeit kennt, sich aber stehts prüft und sich entweltlicht. Mit Franziskus gesagt: „Gott befreie uns von einer weltlichen Kirche unter spirituellen oder pastoralen Drapierungen! Diese erstickende Weltlichkeit erfährt Heilung, wenn man die reine Luft des Heiligen Geistes kostet, der uns davon befreit, um uns selbst zu kreisen, verborgen in einem religiösen Anschein über gottloser Leere.“(EG 96)

Das mögen nur ein paar Punkte sein, die mir einfallen, aber aktuell empfinde ich sie als entscheidend. Wenn wir hier ansetzten, dann geschieht was. Etwas Grundsätzliches.