Einheit, Frieden, Freiheit

Die Rede von Pastor Dr. Martin Luther King aus dem Jahr 1963, vor ca. 250.000 Menschen, die zu einem Friedensmarsch nach Washington gekommen sind, gehört zu den großen Reden der Menschheit. Die Worte, die er damals sprach haben heute noch immer eine traurige Wirklichkeit. Noch immer herrscht in verschiedenen Stärken in Amerika aber auch in vielen anderen Ecken der Welt – auch in Deutschland – Rassismus. Abgrenzung, Verfolgung, Beleidigung und Negierung der menschlichen Würde erfahren Menschen noch immer.

Gerade deshalb ist es auch heute so wichtig sich den Geist der Rede zu verinnerlichen und diesen Traum des Pastors endlich zu verwirklichen.

Am 21. Januar ist Martin Luther King Day. Grund genug sich damit zu beschäftigen.

Jusos und Grundrechte

Auf der abgeschlossenen Konferenz der Jusos in Berlin Anfang Dezember 2018 gab es eine Summe von Anträgen, die davon zeugen, dass es neben den einigermaßen seriösen Anträgen und Antragstellern einige darunter gibt, die wohl nicht verstehen, was sie tun, bzw. an manchen Stellen eine menschenverachtende Haltung an den Tag legen, die echt schockierend ist. Einige Anträge sind so abwegig, dass sie fast schon wieder lustig sind. Andere stellen das Lust-Verlangen (und ein fragwürdiges Freiheitsbild) über Menschenleben, wie zum Beispiel der Antrag zur pauschalen Legalisierung von Abtreibungen.

Aber jetzt im ernst: Wie pervers ist denn das? Die Jusos fordern, den Verbot von Werbung der Bundeswehr, mit der Begründung, dass es bei der Vergangenheit der Armee und Armeegeschichte in Deutschland Aufklärung braucht und nicht Werbung. Sie unterstellen jungen Menschen, dass die Werbung der Bundeswehr in erster Linie die Lust am Reisen fördert und die jungen Menschen vor lauter Fernweh nicht realisieren, wie gefährlich der Beruf des Soldaten ist. Die Jusos sehen die Bundeswehr – zumindest nach diesem Antrag – in ihrer Struktur und in ihrem Auftrag als problematisch an. Schlussendlich negieren sie diese auch mit ihrem Antrag und ihrem Bild, der Bundeswehr.

Während sie bei der Bundeswehr Aufklärung und Seriosität fordern und die geistige Fähigkeit junger Menschen in Frage stellen, fordern sie im Gegenzug dazu eine pauschale Legalisierung der Abtreibung und stellen damit Lust und Vergnügen, über die Verantwortung des Einzelnen gegenüber menschlichen Leben. Die gleichen Menschen die wohl bei einer Bundeswehrwerbung nicht reflektiert entscheiden können, sollen bei der Frage, ob ein ungeborenes Menschenleben leben darf, aus einem Gefühl heraus entscheiden können. Es ist schon ein bisschen ganz besonders, dass man – gerade im Blick auf die anstehende Weihnachtszeit und die Feier, dass ein Kind geboren wird – aktiv fordert, dass Kinder eben nicht geboren werden.

Bei ihren Forderungen: Legalisierung von Abtreibung, Übernahme der Finanzierung durch Krankenkasse, Werbung und aktive Motivation zum Schwangerschaftsabbruch geht es ganz klar darum eine negative gesellschaftszerstörende Individualisierung und Lebenshaltungen zu fördern die nicht lebensbejahend ist. Hier geht es nicht darum Opfern von Gewaltverbrechen oder Menschen mit gesundheitlichen Gefahren zu schützen und ihnen zu helfen. Die Forderung nach dieser Form von Selbstbestimmung ist schlussendlich Menschenverachtend. Hier geht es nicht darum, Schaden abzuwenden von Menschen oder Einschränkungen der Freiheit aufzuheben sondern das Recht auf Leben auf Menschen zu konzentrieren, die nicht unterscheiden wollen zwischen einem übertriebenen Lustprinzip und einer seriösen Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität. Hier geht es schlussendlich nicht um die Freiheit, die nur so lange Freiheit ist, wie sie die Freiheit des Anderen nicht einschränkt, sondern um eine Mentalität der Unfreiheit.

Ich argumentiere hier schlussendlich nicht christlich, denn ich muss als Christ voraussetzten, dass ein gläubiger Christ, der das Evangelium Jesu Christi lebt, diesen Forderungen nicht zustimmen kann. Wer gerade die Forderungen zum Thema „Abtreibung“ aufstellt, kann kein gläubiger Christ sein. Daher: Hier muss man sich politisch die Frage stellen, wie solche Forderungen geschehen können. Bei den Anträgen zum Thema Europa wird immer wieder die soziale Verantwortung angemahnt. Es geht um Gesellschaft und Gemeinschaft, um gemeinsame Ziele etc. Allein aber diese beiden oben genannten Anträge, ganz besonders der zur Abtreibung, widerspricht jeder staatsbildenden Haltung, widerspricht jedem gesellschaftlichen Miteinander. Wer im politischen Kontext die eigene friedenssichernde Armee negiert und deren MitarbeiterInnen unter Generalverdacht stellt, wer junge Menschen nicht als fähig abstempelt reflektiert die Werbung der Bundeswehr einzuordnen, wer Abtreibung pauschal legalisieren will, der stellt sich gegen die grundsätzliche positive Grundhaltung dem Mitmenschen gegenüber indem er einzelne gesellschaftliche Gruppen und Personenkreise pauschal negiert bzw. überhöht. Hier stellt man sich gegen die Menschenrechte und nicht auf Seiten der Menschenrechte. Hier wird Leben gegen Leben gestellt, hier werden einzelne als besser und andere als lebensunwichtiger abgetan. Das ist für eine demokratische Partei nicht tragbar und man wünscht sich, dass diese jungen Politiker nie in Verantwortung kommen und wenn dann doch,  dass sie vorher nochmal sich mit Philosophie, Ethik und den politischen Theorien beschäftigen.

Treue

In der Liturgie des vergangenen Dienstags (31. Woche) hatten wir in den Gebeten (MB 309/12; 291; 292) und in den Lesungstexten (Phil 2,5-11; Lk 14,15-24) und dem Psalm das Thema der Treue Gottes genauer die „Auswirkungen“ oder Formen der Treue Gottes, wie wir sie als Menschen erfahren dürfen.

Im Konzept der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott zeigt sich für mich, dass einer der Aspekte dieser Ebenbildlichkeit unser Gedächtnis und unser Denken, die Kraft des Erinnerns, an das was war, ist. Erinnern, sich einordnen können in den Lauf der Zeit, das ist ein grundsätzliches sich in Beziehung setzten. Hier zeigt sich, dass wir nicht einsame Individuen sind, die sich nur allein und in sich eingekapselt entfalten können, zum Mensch werden können. Mensch sein, bedeutet: Sich in Beziehung zu setzten, zeitlich, räumlich um Bezug auf Menschen. Vom Ich auf ein Du zu blicken und damit selbst zum Du zu werden.

Dieses sich in Beziehungsetzten, das findet sich in seiner Urform in Gott, denn er bietet uns das an. Dieses Gottes-Angebot gilt absolut und ist in seiner Form radikal, denn der Gott der Bibel zeigt uns, dass er ganz und gar ein „Ja“ zum ganzen Menschen, zum freien Menschen spricht. Wir können das, also all die Ausprägungen und Folgen daraus, die Treue Gottes nennen.

Diese grundsätzliche Treue Gott ist immer, ja sogar überzeitlich, ob wir sie sehen, annehmen oder ablehnen. Christ sein, die Freiheit des Christen zeigt sich darin, eben zu Entscheiden ob ich diesen Treuebund annehme oder nicht. Der Anfang der Liturgie, die Zusage des Priesters: „Der Herr sei mit euch“ und das Kyrie sind Zeichen dieses selbstentscheidenskönnen, denn beides braucht eine Antwort. Eine Antwort von uns. Eine Antwort, die grundsätzlich ist, die erneuert werden will, hin zu einer Treue, die wir in Treue auf Gottes Treue hin ganzheitlich, also evangeliumsgemäß leben.