Wer hat angefangen?

Das ist eigentlich die falsche Frage. Besser ist die Frage, warum in manchen Themenbereichen sich plötzliche Menschen positionieren, die „eigentlich“ hier nicht „das sagen“ haben. Medienwirksame Beispiele sind Greta Thunberg oder der Youtuber Rezo von dem wir nicht einmal wissen, wie er wirklich heißt. 

Beide, als Prototypen, haben viel gemeinsam. Sie haben keine Ausbildung zu den Themenbereichen, zu denen sie sich positionieren. Sie sind in ihren jeweiligen Bereichen irgendwann einmal Außenseiter gewesen und sie mussten, nachdem sie sich erfolgreich, in aller Öffentlichkeit, positioniert haben viel Spott und noch viel mehr Beleidigungen und Abwertungen anhören. Statt sich mit den Aussagen dieser beider Personen zu beschäftigen, wurde die Diskussion von einer möglichen sachlichen Ebene auf eine persönliche Ebene umgeleitet. Damit werden keine Probleme gelöst, sondern Feindbilder geschaffen und demokratische Konzepte ausgehöhlt.

In der Medienlandschaft zeigt sich ein weiteres Phänomen. Es besteht fast eine Tradition darin, dass Kunstschaffende sich caritativ Betätigen. Sie übernehmen Patenschaften, veranstalten Shows und Events zur Geldsammlung etc. Neu ist zwischenzeitlich, dass verschiedene „Stars“ gerade aus der Comedy-Szene, genau dieses Genre nutzen um mit Ironie und Satiremethoden ihnen wichtige Themen, zur besten Sendezeit, zu positionieren. 

Bekannteste Aktion in den letzten Wochen war sicherlich der Film „Männerwelten“ von Joko & Klaas in der Moderation mit Sophie Plaßmann. Nicht so wellenschlagend nutzt aktuell Carolin Kebekus ihre Sendeformate um sich, ganz im Stil ihrer Comedy, zentrale und brennende Themen aufzugreifen (Konsum & HateSpeech). So gibt es von der gestrigen (02.07.2020) Show in der ARD zwei Sequenzen (Videos bei YouTube) in denen Kebekus Themen aufgreift, die ein Publikum ansprechen dürfte, das sich (bisher) eher weniger mit der Brisanz dieser Themen beschäftigt. 

Greta, Rezo, „Männerwelten“ und Kebekus übernehmen damit „Rollen“ oder „Leerstellen“ in unserer Gesellschaft: Bisherige Akteure und Strategien für wichtige Themen sind gescheitert. Ob Politik, Journalismus, gesellschaftliche Akteure, Institutionen wie Kirchen sind dahingehend gescheitert, dass sie entweder sich nicht mehr für wichtige Themen interessieren oder einsetzten (was ich nicht hoffe) oder sie sind nicht mehr fähig, die Öffentlichkeit glaubhaft zu informieren und zu einem Umdenken zu verschiedenen Themen und Lebenshaltungen zu motivieren. 

Wenn dies so ist, dann ist das katastrophal für die Demokratie. Eine Demokratie, in der nicht mehr die demokratischen Akteure selbst sich in demokratischen Prozessen positionieren (können) und Veränderungen anstoßen (können) steht in der Gefahr okkupiert zu werden. Die genannten Personen und Beispiele zeigen zum Glück kein Interesse daran die Demokratie auszuhöhlen. Wenn aber andere Kräfte (moderne Volkstribune) genau die von den genannten Beispielen genutzten Mechanismen aufgreifen und verstehen einen Nutzen daraus zu ziehen wird es gefährlich, denn die Folge ist der Wandel aus der Demokratie, mit demokratischen Mitteln zu einer Herrschaft eines Einzelnen/ einer Elite. 

Daher kann eine Antwort auf diese verschiedenen Akteure und ihre oft gelungenen Impulse nicht sein, sie abzuwerten, sie zu ignorieren oder sie unreflektiert einzuverleiben (und sie mit Preisen zu überhäufen), sondern sie in demokratische Strukturen einzubinden und ihre Anliegen in demokratischen Prozessen umzusetzen und den Wandel anzustoßen. Mit dem Ziel, dass Meinungsmache und Impulssetzung verstärkt innerhalb demokratisch verfasster Strukturen, durch demokratisch gewählte Volksvertreter und zum Wohl der Menschen erfolgt.