Berlin 2017 1. Tag Bibelreise

Und weiter geht’s! Diesmal nach Berlin. Warum? Ganz groß gesagt: Um die Texte der jungen Gemeinde im Kontext der Großstadt, der katholischen Diaspora zu lesen und aufzunehmen. Paulus schreibt an Großstadtgemeinden. Wir sind in einer solchen. Paulus schreibt auch zum Thema Politik & Kirche. Wir bewegen uns in den nächsten Tagen zwischen diesen Welten. So habe ich zumindest den Sinn dieser Reise verstanden.

Ups, die sprechen ja Deutsch! Natürlich, wir sind ja auch in Deutschland. Irgendwie kommt das in meinen Kopf nicht rein. Reisen ist ins Ausland … so spuckt die Regel in meinem Kopf. Ich weiß nicht wann ich zuletzt innerhalb Deutschland verreist bin und Dann auch noch geflogen. Was einem der Kopf so alles vorgaukelt.

Abfahrt 08:00 Uhr nach Basel, mit Flieger nach Berlin-Schönefeld und mit der S-Bahn in den Wedding. Die letzte Schritte zu Fuß in unsere Unterkunft – das wäre die Reise gewesen. Wir sind in einer ehemaligen Fabrik untergebracht. Es schließt sich an eine „Hausbesichtigung“ und eine schnelle Tour durch die Stadt für jene, die noch nie hier waren und einen Überblick brauchen. Gottesdienst in St. Hedwig und Abendessen in der Berliner Republik. Zurück. Ein bisschen Gespräch und ins Bett und der Tag ist vorbei.

Da wir in der Osloer Straße wohnen fuhren wir bis zur Haltestelle Bornholmer Straße. Also voll rein in die Deutsche Geschichte. Hier begann schlussendlich das Wunder von Berlin. An jenem Abend sammelten sich hier, nach der Ankündigung im Fernsehen von Schabowski, die DDR-Bewohner und prüften dessen Aussage. Um 23:30 erhoben sich die Schlagbäume und die DDR hatte endgültig ihre Zähne eingebüßt. Mir bleiben wahrscheinlich ewig die Bilder im Kopf, jener Nacht, in der ich selber gerade 12 Jahre alt war. Mit solchen Erinnerungen im Kopf bin ich stolz einen deutschen Pass zu haben. Das Verhalten der Menschen in jener Nacht, das und alles was dazu drum herum geschehen ist, ist der Grund für eine neue Friedensordnung der Welt, für das neue Europa also für das, was dumme Menschen heute wieder kaputt machen wollen, bzw. aktiv daran sind es zu tun. Das Gegenteil unserer heutigen Situation ist das, was wir bis 1989 hatten, das dürfen wir nicht vergessen.

Bei einem Zeitzeugen, einem politisch handelnden jener Zeit und jener Veränderung hatte ich am Nachmittag einen kurzen Besuchstermin. In der Konrad-Adenauer-Stiftung traf ich den Vorsitzenden der Stiftung und ehemaligen Präsidenten des Europaparlamentes Prof. Pöttering. Spontan hat er sich Zeit genommen und wir hatten ein nettes Gespräch, wie man so sagt über „Gott und die Welt“. Raus ging ich also mit weiteren guten Gedanken und zwei Büchern, die er mir schenkte. Nach dem Termin schloss ich mich wieder der Gruppe am Brandenburger Tor an. Wir spazierten dann gemeinsam Unter den Linden in Richtung Hedwigskirche und machten einen kurzen Abstecher ins „Willy-Brandt-Forum“. In St. Hedwig feierten wir in der Krypta, in nächster Nähe zum Seligen Bernhard Lichtenberg, die Messe mit. Ich kann mich mit dem Stil dieser Kirche recht gut anfreunden, muss ich sagen.

Den Abend verbrachten wir in der „Berliner-Republik“. Ganz nettes Restaurant. Jetzt nicht das, in das ich jeden Abend gehen würde, aber ganz O.K. Das Essen war gut, aber schon „sehr genau bemessen“ und für Biertrinker ist das ja ein Eldorado.

Kaum waren wir draußen aus dem Restaurant zeigte sich mal wieder wie klein die Welt ist. Wir wollten zur Haltestelle und wer läuft mir über den Weg: Eine ganz liebe Tunslerin mit Freundin und dessen Freund. Die beiden Mädels und eine weitere Freundin hatten mich auch in Rom einmal besucht, worüber ich mich sehr gefreut hatte. Und jetzt, zwischen all den Menschen laufen wir uns in Berlin – völlig ungeplant – in die Arme. Mal wieder ein Beweis, wie klein doch die Welt ist. Einfach schön.

Heute war ein schöner Tag

IMG_6015

Heute war ein schöner Tag. Das kann ich wirklich sagen. Nicht nur die Sonne hat diesen Tag schön gemacht. Er war einfach gut. Schon die erste Antiphon und der erste Psalm in der Lesehore hat eine wunderbare Stimmung mir geschenkt. „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ und dann im Psalm 103 weiter… „der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt“ – ist das nicht wunderschön und so grandios liebevoll für den Psalmbeter, Gott krönt uns. Och, da kann der Tag nur gut werden.

Was war sonst noch. Ich habe echt gut gelesen heute. Einiges auch aufgenommen. Der Luther-Roman und die Bibel, Zeitung … . Irgendwann hab ich auch ein so kitschiges Video gesehen. Es ging um Nächstenliebe und Hilfe deinem Nächsten und so … ich fand es einfach zu kitschig aber der letzte Satz bzw. die Quintessenz: „Gott ist die Lebensversicherung“, das war super, das hat mich getroffen. Ja, das ist so. Ja das hat mich glücklich gemacht das zu lesen. Ja, Gott ist die einzige Lebensversicherung die ich brauche. Grad passt das gut bei mir und ich bin da so dankbar, dass ich das Gefühl habe. Das stimmt!

Heute haben wir in verschiedenen Konstellationen auch über den gestrigen Film von „37 Grad. Shalom, Salam, Halleluja. Drei auf ihrem Weg zu Gott“ diskutiert. Grundsätzlich guter Film. Ich finde es super, dass dies produziert wurde. Es gibt so ein paar Punkte, die mich haben aufhorchen lassen.

Der Abend schloss mit einem Achtele an der Alten Wache und dem anschließenden Gottesdienst. Es freut mich echt wie viele junge Menschen im Münster um 18.30 Uhr im Gottesdienst sind. Danach habe ich noch schnell eine neue Sommerhose gekauft, bei C&A. Mein Budget ist kleiner, da reicht es wieder nur für sowas. Aber ist ja auch ordentlich. Jetzt saßen wir noch auf der Dachterrasse und haben eifrigst diskutiert. Bei uns gibt’s nämlich Veränderungen. Nach unserer Rückkehr von Berlin und nach Ostern geht’s daran umzuziehen. Wir bekommen jetzt als vollwertige Seminaristen neue Zimmer und die haben wir uns heute ausgesucht.

Und jetzt geht’s ins Bett. Der Wecker klingelt zur Komplet. Noch schnell den Text einstellen und gut ist. Morgen um 08:00 Uhr ist Abfahrt.