Zukunft der Kirche

Aktuell denke ich, dass die einzige Chance die Kirche zu retten sich darin befindet sich auf die Ideen und Ansätze der OrdensgründerInnen und damit auf ein Jesus durchwirktes Leben zu konzentrieren. Hier finden sich eventuelle Antworten auf die wirklichen Probleme.

Die Ausrichtung der Orden auf die ganz persönliche Seelsorge war schon immer die Stärke des Christentum. Und hier haben die Ordensgemeinschaften seit Jahrhunderten die zentralen Aufgaben geleistet. Sie waren es, die sich nicht mit Strategien und Systemen aufgehalten haben sondern das Beziehungsgeschehen Jesus – einzelner Mensch im Wort und Tat gelebt haben. Ordensleute zeigen uns noch heute, in ihrem Handeln und Reden, welch lebensverändernde und lebensbejahende Kraft darin steckt, sich auf Jesus Christus einzulassen.

Ein erstarken des Christentums muss ganz zentral bei jenen beginnen, die das Christentum Verkündigen sollen. Auch hier kann das Ordensleben Vorbild sein. Einmal (Pater Nikodemus hatte das schon mal aufgegriffen) darin, dass wir das „Profil“ des Priesters (eventuell wieder) stärker in Verbindung mit dem Lebenskonzept der Ordensbrüder bringen (nicht nur Ehelosigkeit, sondern auch Armut und das Konzept der spirituellen Durchwirkung des Alltags, etc.). Zum Zweiten, dass wir alle MitarbeiterInnen darin befähigen (ausbilden und dann auch konzeptionell unterstützen) in einem noch stärkeren geistlichen Leben, das mehr denn je vom Konzept des „Dienstes“ her gedacht wird, zu leben und damit auch zu arbeiten. Zum Dritten, dass wir endlich ernst nehmen, was sich hinter der „Idee“ des Apostolates versteckt und dies nicht nur respektieren sondern aktiv fordern und fördern.

Um Berufung beten

Weltgebetstag für geistliche Berufungen, da gibts für mich mehr Fragen als Antworten an einem solchen Tag.

Beten ist wichtig, ist entscheidend, aber eben nicht alles und daher stellt sich mir die Frage:

Wenn wir für Berufungen beten, für was beten wir dann? Da gehts um die Priester, aber beten wir denn auch für die Diakone? Da gehts um die Ordensleute und diejenigen in den geistlichen Gemeinschaften, beten wir aber auch für die geweihten Jungfrauen und die Eremiten?

Ganz oft geht es dann bei Berufung auch um Pastoral- und GemeindereferentInnen, oder um PfarrhaushälterInnen, um OrganistInnen, … aber ist das eine Berufung? Und wenn ja, wo liegt der Unterschied zum Apostolat?

Ganz oft heißt es, es gäbe wenig Berufungen gerade. Stimmt das denn? Ich bin mir manchmal nicht so sicher. Vielmehr stelle ich mir die Frage ob wir in unseren Gemeinden, in unserer Kirche eine Kultur der Berufung zulassen. Ich habe in meinem Leben wenig von solch einer Kultur erlebt. Wer sich berufen fühlt ist verrückt, veraltet unzeitgemäß, das waren ganz oft die Rückmeldungen.

Lassen wir Berufungen zu? Ich meine auch im Blick auf die vorgefassten Meinungen. Wir alle bedauern, dass Klöster und Ordensgemeinschaften schwinden. Fördern wir aber da einen Aufbruch, unterstützen wir da einen Wandel? Kann es sein, dass wir da viel zu oft in Klitsches verfangen bleiben? Die dienende Schwester, das stumme Fräulein, der saufende Mönch, die inzestuöse Ordensgemeinschaft, …Innerhalb und ausserhalb der Gemeinschaften besteht eine geistige Enge – die eventuell Berufene nicht voranschreiten lässt. Nehmen wir die Berufungen der Jungfrauen ernst, fördern wir das Eremitentum, motivieren wir zum Ordensleben? Könnte denn heute ein(e) Benedikt, Franziskus, Teresa von Avila, Vinzenz von Pallotti, Don Bosco, oder wer auch immer aus der Kirchengeschichte in unserer Kirche „Fuß fassen“ um eine Gemeinschaft zum Wohle der Gesellschaft zu gründen? Die meisten OrdensgründerInnen hatten in ihrer Zeit Schwierigkeiten, aber ich befürchte, dass sie heute fast noch größer wären.

Und die große dritte Frage ist, direkt anschließend daran, ist, ob wir für diejenigen die eine Berufung spüren überhaupt einen Ausbildungsrahmen schaffen? Oder stoßen wir da nicht doch noch mehr ab? Geht die Ausbildung, ob zum Priester Diakon, Ordensmitglied o. a. neue Wege, wird sie neu gedacht oder ist all das Neue was da getan wird nur alter Wein in neuen Schläuchen? Nehmen wir die Lebenswirklichkeiten der Berufenen ernst, oder quetschen wir schlussendlich nur in alte Strukturen, denn „das war ja schon immer erfolgreich“? Einzelzimmer, Stuhlkreis und Sitzungsmentalitäten, Handy und Facebook, oder WLan im Seminar zulassen, ist noch lange nicht modern und noch lange kein erfolgreiches Ausbildungskonzept für das 21. Jahrhundert. Auch da wäre die Frage, wie würden da die Ausbildungs-Reformer der Kirchengeschichte dran gehen, waren die eventuell für ihre Zeit nicht mutiger als so manche heute?

Um Berufung beten. Ja, das ist entscheidend, aber wie bei allen anderen um das man bittet, beginnt das Gebet in einem Wandel beim Betenden. Der Betende verlässt überzogene Erwartungen und durchdenkt das Gewünschte, wie Jesus in jener Nacht sagt: Aber nicht mein sondern dein Wille geschehe (Lk 22,42).