Worauf warten wir?

Das ist so ein Standardsatz: Advent ist Wartezeit! Aber warum und auf was warten wir denn?

Da merke ich in den Gesprächen, dass es da sehr unterschiedliche Antworten gibt und ich merke wie unterschiedlich die dahinter sich versteckenden Gottesbilder sind.

Und bei Gottesbilder ploppt bei mir ein Text auf und ich möchte mal noch ganz Provokant an einen Text von Huib Osterhuis erinnern, mit dem Titel „Orte genug“. Dort schreibt der Autor: „Eine Welt ohne Gottesbild gibt es nicht. Sosehr es eine Erleichterung wäre, vielleicht. Sosehr man es erwägen mag und proklamieren, vergebens. Es gibt ein Gottesbild. Eines?“

Wie geht es Ihnen und euch damit? Welches Gottesbild habt ihr und welches treibt euch an?

_Zitat: Oosterhuis; Du bist der Atem und die Glut. Freiburg 1994. S. 257 ff._

Ewiger Advent

Alfred Delp SJ hat als Erzieher im Jesuitenkolleg, im Jahr 1933, ein Theaterstück geschrieben unter dem Titel „Der ewige Advent“. Es ist ein Text seiner Zeit, ein sicherlich typisches Stück der Theatertradition der Jesuiten. Die drei Szenen, Bilder spielen an verschiedenen Orten und manch eine Textstelle kommt eher schwülstig rüber. Aber der Text ist mit seinen Fragen aktuell.

Am Ende des zweiten Bildes, es ist eine Szene in einem zusammengebrochenen Stollen einer Grube, die Menschen sterben darin, spricht der Vorarbeiter folgende Worte:

Junge, glaub mir, einmal muss einer die Sehnsucht still machen. Junge, hörst du (Regie: Alles still.) Bin ich der letzte? Hier tief unten? Ich sage, was alle tief drinnen spüren. Einmal muss ein Ende werden mit all dem Warten und Harren. Glaubt mir, ich habs gespürt ein Leben lang. Immer habe ich durch das Fenster geschaut Nicht nur nach den Dingen dieser Erde. Das auch. Die habe ich auch gesucht. Aber das geht nicht lange. Immer bleibt das Herz voll Sehnsucht und Heimweh. Junge, glaub mir, glaubt mir alle: Ein irdisch Ding macht dieses Herz nicht ruhig. Einmal muss einer kommen, der uns alle Fenster und Türen aufmacht, der uns ansieht mit heiligen Augen. Der unser Herz anrührt mit heilenden Händen. Einmal muss einer kommen. Ich habe ein Leben lang auf ihn gewartet.“ 

Delp weist in seiner Regieanleitung an danach das Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ zu singen.

Mit diesem Text und dem Lied sende ich Ihnen und Euch meine herzlichen Grüße. Einen gesegneten ersten Advent!

 

Text: Delp; Gesammelte Schriften Band I. S. 62.

Aufrichten

Es ist wie eine Überschrift meiner Tage hier, die ganz plötzlich auf mich zukam, heute Morgen. Das Wort des Zelebranten hat mich getroffen und mich erschüttert. Seine Predigt war kurz und er meinte – erst in deutsch und dann in spanisch – wenn wir von den heutigen Texten der Liturgie etwas behalten sollten dann das: „Richte dich auf, denn Gott wirkt/arbeitet in dir“.

Das sind deshalb großartige Worte für mich, da sie eben hier, in Spanien, in deutscher Sprache, fast direkt an mich gesprochen waren. Es sind deshalb großartige Worte für mich, da ich im Jahr 2019 (zuerst unfreiwillig) Abschied nahm von Menschen, die mir eben gerade immer und immer wieder klar machten, dass das, was ich bin, keinen interessiert. In ganz vielen Handlungen, aber auch in Worten wurde das was und wer ich bin negiert. Subtil und wahrscheinlich noch nicht einmal ganz bewusst bösartig, aber mit System.

Als ich zu Weihnachten 2016 in Rom war sagte mir ein geistlicher Freund damals im Gespräch, dass es auf meinem Entwicklungsweg der nächsten Jahre nicht ganz so einfach sein wird, weil ich an vielen Punkten schon sehr weit wäre und das, was geändert werden müsste, ganz kleine Schritte sind, aber ganz tiefe und intensive. Er forderte von mir, dass ich genau hier aktive Hilfe einforderte. Er forderte von mir genau hier ganz viel Kraft und Motivation weiter zu gehen.

Aber er konnte nicht ahnen, dass ich mich in einem Umfeld befand, das für diese Ratschläge nicht gut war. Ein Umfeld, das mir nicht die Hilfe gab, die ich brauchte. Und heraus kam die Tatsache, dass ich von Woche zu Woche, von Monat zu Monat mich immer wertloser, schwächer, dümmer und unwichtiger empfand. Das was ich konnte, das was ich machte, war nichts wert und statt Demut waren andere Formen gewünscht. Und das schlimmste: Ich machte mit, akzeptierte und hatte Angst, die mich lähmte.

Und nun steht da ein Pater der sagt so was und dann noch in deutscher Sprache. Wie kann ich mich aufrichten, wenn ich am Boden liege?

Aber er hat recht. Gott arbeitet und wirkt in mir. Mit Gott konnte ich das lernen, was ich kann, mit ihm und dank ihm. Die Berufung zum Priester umfasst auch ein ganz genaues Apostolat in dem er mir Gaben, Eigenschaften, Kompetenzen und Charismen geschenkt hat. Dank ihm waren die Menschen da die ich brauchte. Dank ihm kann ich das Überstehen, was ich an Schmerzen erlebe in dieser Welt, durch Mitmenschen. Er hat mir auch dafür was gegeben: Kraft und meinen Glauben.

Und ja, der Pater hat recht. Ja ich kann aufstehen, denn ich bin Christ, ich bin Gottes geliebtes Kind, mit all seinen Schwächen und guten Eigenschaften, ich bin ein Diener der in Freiheit die Berufung leben kann. Aber es wird dauern, bis ich mich wieder ganz aufrichte. Und genau in dieser Situation merke ich, dass ich auf die Ankunft hoffe. Ich hoffe, dass dies der letzte Advent ist!