Drinnen – im Internet sind alle gleich

Seit dem 03. April gibt es in der ZDFmediathek die Serie für und über unsere gerade besondere Zeit. Früher als so manch einer gedacht, wird Corona im Film verarbeitet. Braucht‘s das eigentlich?

Mit „Drinnen“ bringt ZDFneo eine Comedyserie rund um den für uns alle alltäglichen Wahnsinn. Charlotte, in Berlin lebend, arbeitet Coronabedingt im Homeoffice für ihre Werbeagentur, bei der sie, die Chefin hat Corona, nun auch die Leitung übernehmen muss. Das ist nicht alles. Beziehungsprobleme, ein Mann, der gerade mit ihren Kindern in Brandenburg ist und nicht versteht warum er dort bleiben soll, eine Schwester in Thailand und zwei äußerst aktive Eltern. Zwischen Alltag und ganz normalem Wahnsinn kommen dann noch die großen Fragen, die sicherlich viele bewegen: Angst, Zukunftssorgen, Tod, Krankheit, Liebe, Einsamkeit, …

Die Miniserie ist auf 15 Folgen konzipiert und wurde ganz im Homeoffice produziert. Aber keine Panik, verwackelte Bilder, Tonbrüche und all das was wir selbst von unserem Alltag aktuell kennen, ist hier nicht Grundlage, sondern gezielt eingesetzt, um eben die Situation zu beschreiben. Die daraus heraus entstehende Komik mag den einen nicht erfreuen, den anderen erst recht, wenn er sich bewusst wird, dass es sich hier um Situationen handelt, die er selbst erlebt bzw. prägt.

Serien und Filme sind unter anderem dann erfolgreich und/oder witzig und damit unterhaltsam, wenn die Zuschauenden hier Verbindungen herstellen können, wenn sie aus ihrem Alltag herausgenommen werden, um diesen ein paar Minuten zu vergessen. Dies schaffen die Folgen, unter anderem, weil sie auch so wohltuend kurz sind und deshalb hier auch keine Langeweile entsteht.

Die Folgen sind in der ZDFmediathek und in ZDFneo zu finden und bieten eine gute Unterhaltung für zwischendurch. Viel Freude dabei!

Bildrechte: ZDFneo 2020

Die Geträumten

Am Samstag, 18.04. strahlt 3Sat eine Dokumentarverfilmung des Briefwechsels von Ingeborg Bachmann und Paul Celan aus.

Dabei handelt es sich um den im Jahr 2016 auf der Berlinale vorgestellten Film „Die Geträumten“, eine Dokumentation die sich zentral auf die Aufnahme der Gedichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan in einem Tonstudio in Wien konzentriert.

Grundlage des Filmes sind die Briefe, die im Jahr 2008 im Suhrkamp Verlag verlegt und damit damals zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Anja Plaschg (Ingeborg Bachmann) und Laurence Rupp (Paul Celan) werden bei der Rezitation der Briefe gefilmt aber auch in den Pausen, in den Zeiten zwischen den einzelnen Aufzeichnungen. So dringen zwischen die Worte der beiden verstorbenen Liebenden der Alltag. Gespräche über Belangloses wird verwoben mit dem Nachklang der Worte der beiden großen und prägenden Lyriker des 20. Jahrhunderts. Dadurch, dass es keine weitere Wissensvermittlung zu Celan und Bachmann gibt, treten die historische Persönlichkeiten in den Hintergrund. Bestehen bleiben nur die Gefühle, die Liebe und die Abneigung, der Lebens- und Liebeskampf beider, der sich fast noch stärker abzeichnet im Kontext des pragmatischen und doch eintönigen Zwischenspiels der beiden Akteure. Die Worte werden klarer, schneidender und prallen voll und absolut auf den Hörenden.

Die Regisseurin Ruth Beckermann wollte mit dieser Dokumentation zur Reflexion motivieren. Sie will den Film als Impuls zur Reaktion gerade jüngerer Menschen sehen, denn diese Liebesbeziehung voller Liebe und Schmerz, die sich in diesen über 260 Seiten langem Briefkonvolut zeigt, ist, trotz der lyrischen Sprache, ein modernes Drama, das eventuell gerade heute anspricht.

Beitragsbild: Rechte bei www.absolutmedien.de

Hosianna – Einzug

Für eine Publikation habe ich einige Filme besprechen dürfen. Ein Film, den ich ausgesucht habe dazu hieß: „Der Unbekannte“. Dabei handelte es sich eher um eine Weihnachtsgeschichte. Am Weihnachtsabend klopft es an der Tür eines Klosters. Die Brüder sind beim Essen und laden den Gast, der angeklopft hat zum Essen ein. Sie machen ihm Platz, bieten ihm Essen an. Sie handeln, wie der Herr es fordert. Sie geben ihm einen Ort zum Bleiben, sie geben ihm Essen und Trinken und – als sie sehen, dass seine Hände verbunden sind – wollen sie auch seine Wunden säubern und neu verbinden.

Doch unter dem Binden zeigen sich Wunden an eben jenen Stellen, die Jesus auszeichnen. Die Sehenden können es nicht glauben, der eine blinde Bruder, tastet das Gesicht des Buchers ab und erkennt: Es ist der Herr!

Allen ist es klar, wer da in ihrer Mitte Platz genommen hat. Doch sie sind überfordert, sie kommen damit nicht zurecht – und sie bitten den Gast zu gehen!

Heute feiern wir den Einzug Jesu in Jerusalem. Es ist wieder ein Fest das ganz im Zeichen der Ankunft Gottes auf Erden steht. Es ist wieder ein Fest, das ganz im hier und jetzt, die Zukunft in den Blick nimmt. Das Ziel ist die Ankunft des Herrn, das Ziel ist der Anbruch des Reiches Gottes, an dem wir – im besten Falle – ja arbeiten.

Der Film begleitet mich seit Wochen. Er ist so einfach und schlicht und ja, die Mönche sind mir gerade auch in dieser Überforderung Sympathisch. Aber ich weiß auch, dass das nicht die Antwort sein kann, die wir dem Herrn geben können. Daher ist für mich auch an diesem Tag, an dem wir so ganz lebendig die Anwesenheit Jesu Christi in unserer Mitte erflehen und in Zeiten von Corona vermissen, die einzige Frage die zählt: Sind wir bereit? Wie ist unser Stand der Dinge in Sachen Messias?

Dabei geht es nicht darum, dass wir uns irgendwie kampfbereit machen. Denn auch diese Bereitschaft, die Ankunft des Herrn zu erleben und zu ertragen dürfte schlussendlich Gnade sein. Es geht doch mehr darum ob wir es zulassen, oder?