Die Wahl ist vorbei

Es ist vorbei. Die Wahl zum 46. Präsident der Vereinigten Staaten ist soweit abgeschlossen. Jetzt überschlagen sich die Meldungen um eine Hoffnung auf die Zukunft. Auf eine Zukunft die, so viele Menschen, besser werden würde.

Die Amtszeit von Donald Trump geht dem Ende zu. Sie ist aber noch nicht vorbei. Er wird bis zum letzten Moment seiner Amtszeit alles tun um seine Agenda durchzudrücken, die darin besteht, das zu erhalten was er sich vorstellt und eine Weltvorstellung zu retten, die klar eingrenzt und andere ausgrenzt. Und auch nach dem 20. Januar wird diese Trump-Zeit nicht vorbei sein.

Die Zeit wird nicht vorbei sein, weil sie nicht vorbei gehen kann, nur weil ein Mann ein Amt nicht mehr innehat, denn ich denke, Donald Trump ist nicht Auslöser all dessen was wir in den letzten Jahren mit ihm und um ihn herum erlebt haben, sondern Symptom und Verstärker. Trump und der Trumpismus wird nicht am 20. Januar verschwinden, weil das, was sich dahinter verbirgt eben nicht zu beheben ist, indem Personal ausgetauscht wird. Es geht, so denke ich um grundsätzliche Fragen. Um die Fragen, wie wir unser Leben gestalten wollen und wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen, wie wir unsere Wirtschaft strukturieren.

Das was Trump in all den Jahren gesagt hat, all das, was seine AnhängerInnen seitdem laut aussprechen, fordern und wie sie sich die Zukunft der Welt vorstellen sind keine neuen Dinge. Es sind ja gerade alte Gedanken, Strategien und Vorstellungen, die nicht, weil sie alt sind schlecht sind sondern weil sie konserviert sind, unbeweglich und zukunftslos.

Trump, das ist eine Welt des ausschließenden und wertenden Denkens, eine Welt in der krampfhaft versucht wird, alles in Kategorien, alles in festen Strukturen, in schwarz und weiß einzuteilen. Damit soll eine kleine Gruppe absolut gestellt werden. Nicht aufgrund Kompetenz, sondern aufgrund von Tradition und von Werten, die eben ausgrenzen. Trump und seine Anhänger träumen von einer Welt, in der alles so bleibt, wie es bisher war, von einer Welt in der es früher besser war und es so wieder werden soll.

Diese festzementierte Welt sind eventuell Schutzmechanismen. Wer sich seine Welt baut, der kann mit seiner Angst umgehen, genauer mit dem was ihnen Angst bereitet. Diese Angst entsteht, wenn die Welt fremd wird, wenn verschiedene Mechanismen, Erkenntnisse, Erfahrungen, geistige Entwicklungen nicht mehr erfolgten und dadurch all das fremd wird.

Dazu gehört auch die Behauptung, dass es einen Gegensatz zwischen Tradition und Modern geben würde. Ist aber doch echte Tradition nur in einer gelebten Gegenwart zu erfahren und daher nicht etwas von Gestern, das eben per se Zukunft ist.

Diese Gegensätze, diese Ängste, diese Konzepte gilt es aufzubrechen. Wenn Trump überwunden werden soll, dann müssen die Amerikaner ihre Systeme aus der Konservierung herausbrechen und ihre demokratischen Konzepte neu hinterfragen und gemeinsam lebendig halten. Wenn Trump überwunden werden soll, was sicher nicht einfach werden wird und schnell geschehen kann, dann muss Politik, aber nachmehr die gesellschaftlichen Institutionen und Akteure (gerade auch die Kirchen) den Menschen zeigen, dass sie vor den Dingen und Veränderungen, vor denen sie Angst haben, eben keine Angst haben müssen. Wenn Trump überwunden werden soll, dann müssen die Amerikaner neue Prozesse verstehen lernen, sie nur wenn sie diese verstehen, können sie sie beeinflussen, weiterentwickeln und für ihr eigenes Leben nutzen.

Ich denke aber, dass all dies auch bei uns gilt. Die AFD, Populisten, diese sogenannten Querdenker und viele mehr haben genau aus den gleichen Gründen Erfolg wie Trump. Sie spielen mit der Angst der Menschen, sie versprechen und zeigen ihnen klar strukturierte Welten, die es aber gar nicht gibt. Das gibt es dann aber auch in den radikalen Richtungen in den Religionen.

Es ist altbekannt, dass schon Hegel sagt, dass der Mensch aus der Geschichte nicht lernt. Es wäre aber wieder mal die Möglichkeit, dass wir aus den vier Jahren Trump lernen. Es ist jetzt die Chance, das, was da geschehen ist, das was sich da zeigt zu reflektieren und dafür zu sorgen, dass Prozesse, die auch in Deutschland auf solche Politiker hinführen, neu justiert werden. Die Pandemie zeigt uns doch schon eine ganze Menge an Schwächen, es wäre also die richtige Zeit zu einer Veränderung.

Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Zukunft

Es ist doch schon verwirrend, wenn man die Nachrichten verfolgt. Auf der einen Seite Einbruch der Wirtschaft, Arbeitslosigkeit und Konkurse und auf der anderen Seite Millionen- und Milliardengewinne von Unternehmen.

Dass es nicht immer in der Wirtschaft „bergauf“ gehen kann ist eine Binsenweisheit, die nicht zuletzt 2009 immer wieder genannt wurde. Das ist also eine Wirklichkeit. Die andere Wirklichkeit ist aber, dass sich in Zeiten von Corona zeigt, wie groß der Abstand von Arm und Reich ist, wie groß die Probleme in unserer Gesellschaft sind, wie sehr verschiedene Industrie- und Wirtschaftszweige seit Jahren eigentlich nur am Tropf hängen.

Manche Unternehmen versuchen aktuell ihre Mitarbeiterentlassungen, die ganz unpersönlich immer als Stellenkürzungen daherkommen, in den Kontext von Corona zu stellen. Das ist aber selten die Wirklichkeit. Corona hat meist nichts verändert sondern nur sichtbar gemacht, was eh schon lange passieren hätte müssen.

Für mich bleibt als erstes jedoch eines im Blick: Es gibt immer mehr Arbeitslose. Was ist die Antwort darauf? Hier geht es nicht um Zahlen oder Statistiken sondern darum, dass Menschen erfahren müssen, dass ihre Arbeitsleistung nicht gebraucht wird, In einer Gesellschaft, die auf Produktion ausgerichtet ist, erleben diese Menschen diese Situation auch als eine Botschaft die sagt: Ich bin nicht erwünscht/nichts wert/, … das darf nicht sein. Das zerstört die demokratische Gesellschaft.

Ganz pragmatisch denke ich: Es werden in den nächsten Jahren noch sehr viele weitere tausend Menschen arbeitslos. Corona hat eines beschleunigt: die digitale Transformation und die Notwendigkeit diese anzuerkennen. Die Folge daraus: ein viel schnellerer Wandel in der Arbeitswelt als erwartet und damit ein verschwinden verschiedener Arbeitsstellen und weitere Probleme.

Die digitale Transformation der Arbeitswelt führt dazu, dass bisher vom Menschen vorgenommene Arbeit, ja auch ganz besonders schlichte Denkprozesse und Reaktionen nun von Technik übernommen wird. Damit verlieren sehr viele Menschen ihren Arbeitsplatz. Dazu kommen noch all jene Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht befähigt sind (gewollt o. ungewollt) mit digitalen Prozessen und mit der notwendigen Technik umzugehen. Auch diese sind in der Arbeitswelt nur noch bedingt einsetzbar.

Manche Menschen sagen, dass dieser Zustand vorübergehend ist. Dass hier eine Generation in der Arbeitswelt abtritt und der Wandel „nun mal so ist“. Das stimmt, so denke ich, nicht ganz. Gerade auch das aktuelle Schulsystem „produziert“ Arbeitskräfte, die jung sind und trotzdem genauso kaum einsetzbar sind in einer Arbeitswelt der digitalen Transformation.

Das bedeutet doch, dass wir einmal für eine ältere Generation oder eine aktuelle Generation die noch nicht befähigt ist in den veränderten Prozesse zu arbeiten, etwas tun müssen und dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, dass auch in den nachfolgenden Generationen Menschen sein werden, die eben nicht alle IT-Fachleute, Akademiker und Co. sein können.

Die Antwort darauf kann nicht sein, dass wir wie bisher arbeitslose Menschen gesellschaftlich wie wirtschaftlich an den Rand drängen. Wer hier stehen bleibt oder im besten Falle nach Subventionen für die aussterbenden Arbeitsbereiche schreit, ist schlussendlich zynisch. Genauso zynisch ist es, wenn die schwindenden Arbeitsplätze pauschal mit neuen Arbeitsplätzen gegengezeichnet werden.

Aber was ist die Antwort? Eine allein wird da nicht reichen, oder? Gerald Hüther sieht in seinem neuen Buch #education for Future mehrere notwendige Ansätze. Eine Veränderung der Mentalität der Arbeitswelt, Formen des einheitlichen Grundgehaltes, Steigerung des Image einzelner Arbeitsbereiche und ein doch fast radikaler Umbau des Bildungs- und Ausbildungskonzeptes in unserer Gesellschaft.

Das würde in vielen Bereichen ein grundsätzliches Umdenken verlangen. Sind wir dazu bereit, haben wir politische und gesellschaftliche Akteure, die offen und innovativ die Zukunft gestalten wollen, haben wir die Akteure in Gesellschaft, Staat und Kirche die es braucht um eine neue soziale Marktwirtschaft zu installieren?

Wer hat angefangen?

Das ist eigentlich die falsche Frage. Besser ist die Frage, warum in manchen Themenbereichen sich plötzliche Menschen positionieren, die „eigentlich“ hier nicht „das sagen“ haben. Medienwirksame Beispiele sind Greta Thunberg oder der Youtuber Rezo von dem wir nicht einmal wissen, wie er wirklich heißt. 

Beide, als Prototypen, haben viel gemeinsam. Sie haben keine Ausbildung zu den Themenbereichen, zu denen sie sich positionieren. Sie sind in ihren jeweiligen Bereichen irgendwann einmal Außenseiter gewesen und sie mussten, nachdem sie sich erfolgreich, in aller Öffentlichkeit, positioniert haben viel Spott und noch viel mehr Beleidigungen und Abwertungen anhören. Statt sich mit den Aussagen dieser beider Personen zu beschäftigen, wurde die Diskussion von einer möglichen sachlichen Ebene auf eine persönliche Ebene umgeleitet. Damit werden keine Probleme gelöst, sondern Feindbilder geschaffen und demokratische Konzepte ausgehöhlt.

In der Medienlandschaft zeigt sich ein weiteres Phänomen. Es besteht fast eine Tradition darin, dass Kunstschaffende sich caritativ Betätigen. Sie übernehmen Patenschaften, veranstalten Shows und Events zur Geldsammlung etc. Neu ist zwischenzeitlich, dass verschiedene „Stars“ gerade aus der Comedy-Szene, genau dieses Genre nutzen um mit Ironie und Satiremethoden ihnen wichtige Themen, zur besten Sendezeit, zu positionieren. 

Bekannteste Aktion in den letzten Wochen war sicherlich der Film „Männerwelten“ von Joko & Klaas in der Moderation mit Sophie Plaßmann. Nicht so wellenschlagend nutzt aktuell Carolin Kebekus ihre Sendeformate um sich, ganz im Stil ihrer Comedy, zentrale und brennende Themen aufzugreifen (Konsum & HateSpeech). So gibt es von der gestrigen (02.07.2020) Show in der ARD zwei Sequenzen (Videos bei YouTube) in denen Kebekus Themen aufgreift, die ein Publikum ansprechen dürfte, das sich (bisher) eher weniger mit der Brisanz dieser Themen beschäftigt. 

Greta, Rezo, „Männerwelten“ und Kebekus übernehmen damit „Rollen“ oder „Leerstellen“ in unserer Gesellschaft: Bisherige Akteure und Strategien für wichtige Themen sind gescheitert. Ob Politik, Journalismus, gesellschaftliche Akteure, Institutionen wie Kirchen sind dahingehend gescheitert, dass sie entweder sich nicht mehr für wichtige Themen interessieren oder einsetzten (was ich nicht hoffe) oder sie sind nicht mehr fähig, die Öffentlichkeit glaubhaft zu informieren und zu einem Umdenken zu verschiedenen Themen und Lebenshaltungen zu motivieren. 

Wenn dies so ist, dann ist das katastrophal für die Demokratie. Eine Demokratie, in der nicht mehr die demokratischen Akteure selbst sich in demokratischen Prozessen positionieren (können) und Veränderungen anstoßen (können) steht in der Gefahr okkupiert zu werden. Die genannten Personen und Beispiele zeigen zum Glück kein Interesse daran die Demokratie auszuhöhlen. Wenn aber andere Kräfte (moderne Volkstribune) genau die von den genannten Beispielen genutzten Mechanismen aufgreifen und verstehen einen Nutzen daraus zu ziehen wird es gefährlich, denn die Folge ist der Wandel aus der Demokratie, mit demokratischen Mitteln zu einer Herrschaft eines Einzelnen/ einer Elite. 

Daher kann eine Antwort auf diese verschiedenen Akteure und ihre oft gelungenen Impulse nicht sein, sie abzuwerten, sie zu ignorieren oder sie unreflektiert einzuverleiben (und sie mit Preisen zu überhäufen), sondern sie in demokratische Strukturen einzubinden und ihre Anliegen in demokratischen Prozessen umzusetzen und den Wandel anzustoßen. Mit dem Ziel, dass Meinungsmache und Impulssetzung verstärkt innerhalb demokratisch verfasster Strukturen, durch demokratisch gewählte Volksvertreter und zum Wohl der Menschen erfolgt.