Israel 2017 Zweiter Tag

Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen?“ (Mk 8,27).

Der Vers aus dem heutigen Tagesevangelium mag passen wenn man hier her nach Nazareth kommt. Die Stadt ist nach den Einwohnern voll in muslimischer Hand. Nach den auffälligsten Bauten aber klar von Christen geprägt. Beide Religionen leben hier, in beiden Religionen gibt es ein klares Bild zu Jesus. Erstmal mag es also kein Problem hier geben wenn wir auf einer rein pragmatischen Ebene bleiben. Ob Messias oder Prophet – ein Geburtsort ist erstmal was besonderes, also ein Ort an dem man an diesen Menschen denken kann. Aber hier stellt sich trotzdem die Frage: Was denken wir von diesem Menschen Jesu, der hier gelebt hat? Die Frage wird von Petrus beantwortet, aber ich denke jeder von uns muss sie selber für sich beantworten. Für sich, denn auch im Christentum – so erscheint es mir hier, so erscheint es mir für mich – fällt die Antwort mit unterschiedlicher Gewichtung aus. Warum? Weil manche von uns eben wie Petrus und all die anderen Nachfolger eine andere Folgerung ziehen aus der Antwort: Du bist Christus! Für Seminaristen, für Priester, denke ich, muss darauf noch ein „fiat“ folgen. Eine Zusage, dass ich mich ganz öffne, bereit bin Nachfolger, Erbe zu sein; also einen Schritt zurückzutreten werde. Petrus hat in der Perikope bei Markus 8 seine Schwierigkeit damit. Er will den Jesus so wie er es sich vorgestellt hat und damit auch wie er sein Leben vorgestellt hat. Die Zusage, dass Jesus der Christus ist, bedeutet aber: Lass alles von dir abfallen, lass dich ganz ein auf das was kommt bzw. was dir gegen wurde und wird.

Die Geschichte geschieht nach dem Neuen Testament in Caesarea Philippi, bzw. auf dem Weg dorthin. Wir stehen aber hier nun in Nazareth, in jenem Ort an dem Jesus gelebt hat, Josef gearbeitet, der Engel Maria erschienen ist. Es ist aber auch der Ort an dem Jesus gepredigt hat und von seinen eigenen Nachbarn aus der Stadt getrieben wurde.

An was glaube ich? Die Frage stellt sich mir jeden Tag, aber heute, hier an diesem Ort, ganz neu, ganz anders. Ertrage ich diesen Jesus und die Botschaft, ertrage ich es, dass so vieles sich ändert je näher ich mich an ihn annähere. Natürlich geht es nicht um mich und doch geht es auch um die Frage, ob ich stark genug bin um mich ganz aufzugeben. Volles dienen, volles Leben in der Nachfolge ist tägliches arbeiten, oft genug Kampf darum. Mir fällt Paulus ein, der von einem gut gekämpften Kampf spricht. Mir fällt Mutter Teresa ein, die verzweifelt die Dunkelheit ertragen hat, mir fallen so viele ein … hier an diesem Ort.

Man kann – ich kann – an jedem Ort dieser Welt an Christus glauben. Ich brauche diesen Ort Nazareth nicht für meinen alltäglichen Glauben und doch merke ich, dass ich diesen Ort – an dem immer wieder das Wort „hic“ auftaucht – für meinen Glauben brauche. Irgendwie wehre ich mich dagegen, ich mag diese Reliquienfrömmigkeit und so manch einen Kult drum herum nicht, deshalb habe ich so meine inneren Probleme damit, mit diesem Ort, mit dieser Frömmigkeit (ohne sie abwerten zu wollen, andere finden hier etwas besonderes), und doch: Auch ich brauche diesen Ort, das merke ich hier in dieser Kirche. Ich brauche diese Verortung, denn sie zeigt mir: Hier sind Wurzeln des Glaubens, meines Glaubens. Es ist nicht nur etwas geistiges, an Christus glauben ist etwas handfestes, etwas greifbares. Christus ist in aller Unfassbarkeit als Jesus fassbar. Hier – hic- an diesem Ort.

Es gibt zwei Verkündigungskirchen. Eine der lateinischen und eine der orthodoxen Kirche. Die orthodoxe Kirche ist ein Traum. Wunderbare Malereien, Ikonen die etwas von der Heiligkeit erahnen lassen. Weirauchgeschwängerte Luft und eine Aura die schweben lässt. Ich fühle mich wohl hier. Meine Augen lassen sich darauf ein, mein Geist wird angesprochen von Schönheit und Ästhetik.
Die lateinische Kirche ist ein Bau aus den 1960igern. Typischer Stil jener Zeit. Modern, eher pragmatisch. Reduziert! Kaum was für meine Sehnsucht nach Schönheit. Aber als ich so in der Oberkirche stand kam es mir so: Es ist gut so. Nichts gibt es hier was einen ablenkt vom Wesentlichen. Nichts lässt einen abschweifen, kaum etwas lenkt ab; Du als Pilger bist selbst verpflichtet einen Zugang zu finden dich zu öffnen, wie die Decke der Unterkirche hin zur Oberkirche und dann nach Oben in die Kuppel, hier zwischen all dem Beton, den Steinen und Säulen … franziskanisch geht es hier nur um das Wort, das gesprochen wurde und nun an mich, den Pilger gerichtet ist.

Der Gang durch den Ort ist fad. Schon beim ersten Mal in Nazareth hatte ich – ausser in den Kirchen – nichts was mich reizte, ansprach, forderte. Ich finde Nazareth nicht ansprechend, wobei ich gestehen muss, dass es diesmal nicht so dreckig, so laut und so unangenehm ist wie dieses Mal. Liegt es am Wetter, hat der Regen vieles weggespült, ist es der andere Ansatz zu dieser Reise?

Das pragmatische einer Reise gehört auch dazu. Geld wechseln, Einkäufe, Absprachen zu den Aufgaben die jeder hat, Küchendienst, Kochdienst … es gehört dazu und muss besprochen werden. das mussten wir heute auch erledigen und so war der Tag dann ausgefüllt. Eindrücke und Erfahrungen kommen von selbst und fordern ihre Zeit. Heute Abend habe ich zum ersten Mal bewusst den Muezzin rufen. Irgendwie gefällt mir das. Hier, so frei auf dem Vorplatz unseres Hauses ist dieser Ruf für mich nicht mehr als Ausdruck des Glaubens. Wie traurig ist es doch, dass ein Glaube an Gott so einen schlechten Ruf hat, aktuell so viele Vertreter hat, die nicht Liebe sondern Hass predigen. Herr, lenke die Geschicke der Gläubigen und gib uns allen die Kraft gegen Hass und Terror aller Facetten anzugehen.

Israel 2017 Erster Tag

Erster Tag! Das letzte Mal als ich nach Israel flog war es mein erster Flug überhaupt in meine Leben. Vor zehn Jahren bin ich somit das erste Mal in meinem Leben in einem Flugzeug geflogen. Damals war es spannend und ich war sehr aufgeregt. Diesmal ging es und somit überwog meine Unlust des Kofferpackens. Ich reise gerne und habe mich auf diese Reise auch sehr gefreut, aber ich mag das Packen und das Planen dazu einfach nicht. Somit habe ich das erst gestern Abend schnell gemacht und somit eine kurze Nacht gehabt.

Los ging es heute Morgen um 04:30 Uhr bzw. Schon früher für die, die ein Frühstück wollten. Unsere lieben Frauen aus dem Haus haben uns einiges zum Frühstück gerichtet und sogar einen Kaffee gab es – existenziell für manche von uns am Morgen zu so einer Nachtzeit.

Ein besonderer Moment war auf alle Fälle der Reisesegen durch unseren Regens. Wie gesagt, um 04:30 Uhr trafen wir uns zum Lob Gottes und der Bitte um den Segen auf diese Reise. Nicht nur der Regens war da, sondern auch einige weitere Seminaristen des Hauses. Da zeigt es sich, dass wir alle nicht alleine diesen Weg gehen. Menschen „draussen“ aber auch wir untereinander stehen uns bei, begleiten einander im gebet und in Gedanken. Es ist gelebte Gemeinschaft – und das ist schön.

Mit dem Bus ging es dann nach Zürich. Check in und dann warten auf den Flieger. Gate E ist weit weg und der Weg dorthin lange. Dabei kam die Frage auf, hat die Schweiz eigentlich noch eine weitere Metro als die im Flughafen Zürich?  Es ist immer wieder faszinierend wie viele Menschen unter der Woche fliegen. Allein die Mengen die jetzt mit uns mit der SWISS geflogen sind. Der Flieger war voll und es war bzw. ist schon ein ganz anderes Erleben der jüdischen Gemeinschaft, wenn man am Flughafen und im Flieger viele Juden erlebt. Das ist irgendwie plötzlich und ich merke, dass diese Religion zwar in Deutschland präsent aber irgendwie nicht im Alltag wirklich „da“ oder präsent ist. Irgendwie schade. Ich fand es eine ganz besondere Stimmung die orthodoxen Brüder zu erleben wie sie ganz alltäglich ihre Gebete verrichten.

Der Flug war schön und entspannt. Das Essen war gut nur – es gab keine Schokolade …

Ankunft in Israel ist Tel Aviv bzw. Der Flughafen Ben Gurion. Der Flughafen ist nach dem ersten  Ministerpräsident Israels (1948) benannt.  Nach einer langen Wartezeit am Passschalter, mit mehreren doch recht witzigen Fragen, ging es zu unserem Bus und dann auf in Richtung Nazareth. Zwischen Regen, Sonneschein und dunkel verhangener Himmel fuhren wir durch Israel und waren nach gut einer Stunde in Nazareth angekommen.

Auspacken, Abendessen und nun entspannt den Tag ausklingen lassen, das sind die Programmpunkte des Abends heute. Müde bin ich, hab einfach zu wenig geschlafen heute Nacht bzw. auf der Reise. Also Ausruhen heute und morgen geht es dann los mit der Erkundung Nazareths und der Orga unserer Tage hier.

 

Israel 2017

Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort. Jes 2,3

Heute gehts also los. Wir sind heute Morgen zeitig losgefahren in Richtung Zürich um von dort nach Israel, genauer nach Tel Aviv zu fliegen. Mir fällt ein, dass es nun fast genau zehn Jahre her ist, dass ich in Israel war. Damals noch mit derHeimschule Lender. Wir waren die wunderschöne Zahl von 99 Teilnehmern und hatten In Israel wunderbar intensive Tage.

Nun also fahre ich wieder. Diesmal mit dem Propädeutikum des Priesterseminar Freiburg und ich bin doch sehr gespannt, denn diesmal sind es 32 Tage und somit erwartet uns eine noch intensivere Zeit als beim letzten Mal. Diesmal auch nicht mit dem Blick auf ein Musiktheater bei dem ich mitspielen durfte (2007) sondern mit dem Blick auf die Bibel und der Geschichte unseres Glaubens.
Ich hab nach Bildern von 2007 gesucht, aber die sind alle auf CD’s und die sind in meinen Bücherkisten, die eingelagert sind. Somit gibts von damals nur ein Bild. Es wurde aufgenommen in der Festung Masada und das erste an das ich gedacht hatte war: Naja ich hab zugenommen …

Also lasst uns ziehen hinauf zum Berg des Herrn …

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