Björn Siller

Geld her …

Faszinierend! Da bekommt Adidas Geld, da schreien die Autobauer, die Fluggesellschaften, Hotel- und Gaststätten, Landwirte, soziale Berufe, Flughäfen, Krankenhäuser, jetzt auch Disco- und Nachtclubbesitzer und neben all den anderen die mir nicht einfallen dürfen wir natürlich die Sportclubs der 1. Bundesliege nicht vergessen, die auch gerade in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind.

Land, Bund, EU und wer auch immer schaufelt aus allen Ecken und Enden Sonderprojekte heraus, wirft das Geld in Milliardenbeträgen raus und versorgt alle möglichen und unmöglichen wirtschaftlichen Bereiche mit Geld. UND WER ZAHLT DAS???

Unbesehen, es ist mehr als wichtig, dass die Wirtschaft gestützt wird, dass soziale Einrichtungen Geld bekommen, dass Kunstschaffende, dass der Mittelstand und viele mehr unterstützt werden. Trotzdem wird es Zeit, dass wir endlich mal fünf Minuten mit diesem Geldsegen stoppen und uns die Frage nach dem Ziel dieser Aktion stellen.

Die Frage macht sich bei mir gerade breit, wem dieser Geldregen nützt und wem nicht?

Wir reden ja seit Wochen überall von systemrelevanten Einrichtungen. Ein bisschen überspitz möchte ich bei diesem ganzen Geldsegen genau an die erinnern, die systemrelevant sind. Das sind zuallererst die Menschen selbst. Werden diese wirklich unterstützt, wenn wir Milliarden in Unternehmen stecken, die im Jahr 2019 noch Millionen von Gewinnen gemacht haben und genauso viel Geld an Rücklagen, Gewinnausschüttungen, Tantiemen und Boni gezahlt haben …Kann es sein, dass wir bei dieser Geldflut aktuell auch im großen Rahmen Industrie- und Wirtschaftsbereiche unterstützen, die schon seit Jahren kränkeln, die schon seit Jahren endlich aufgelöst, umgewandelt bzw. modernisiert gehören?

Die neue JIM-Studie 2019 ist veröffentlicht. Dabei geht es um eine Studie, zum Medienumgang von 12- bis 19-Jährigen. Die Studie sollte, so denke ich, zum Aufhorchen führen, denn in Zeiten, in denen unser Bildungssystem davon „lebt“ oder gar überlebt, dass Kinder und Jugendliche zu Hause, am heimischen „Endgerät“ arbeiten, zeigt sich, dass der Besitz eben gerader solcher Geräte stark in den Familien abnimmt.

Ganz auffällig ist das gerade bei den 12-17 Jährigen. Dort sinkt der Besitz von Laptop, oder PC, oder Tablett von 2 – 9 %. Wenn wir ein bisschen oberflächlich die Zahlen zusammenzählen dann könnte es sein, dass gerade mal 48 % aller Kinder bis 13 Jahren überhaupt einen Zugriff auf einen PC oder Laptop haben. Das ist in den höheren Altersgruppen zwar besser. Trotzdem haben auch hier höchstens 2/3 aller Kinder die Chance, gerade aktuell für den Unterricht zu Hause, auf die notwendige Technik zuzugreifen.

Klar jubilieren verschiedene Kreise, wenn die Besitzzahlen von mobilen Endgeräten und Laptop/PC bei jüngeren Generationen rückläufig sind. Das ist aber schlussendlich nicht gut. Es geht doch in der Nutzung dieser Geräte nicht darum es gar nicht zu tun, sondern den Kindern und Jugendlichen einen guten und nützlichen Umgang mit diesen Geräten zu vermitteln.

Und darüber hinaus dürften wir uns auch mal die Frage stellen, ob dieser Rückgang an Geräten wirklich einer Sensibilisierung der Eltern geschuldet ist oder eventuell andere Gründe dahinter stecken. Eventuell zeigt sich auch hier das Abhängen einzelner Kreise aufgrund finanzieller Situationen.

Die Corona Krise motiviert viele zu sagen: „Danach ist nichts mehr so wie davor„. Das denke ich auch. Dabei denke ich aber nicht, dass Corona der Grund des Wandels sei. Nein, Corona ist das Mittel, das sichtbar macht, was schon lange da ist. Corona ist der Beschleuniger dessen, was bisher nur schwelte.

Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht abzusehen, sind katastrophal, sind … egal was sie sind, es sind keine Folgen, die nicht schon lange sichtbar waren. Die global agierenden Unternehmen wie Apple, Amazon. Microsoft und Co. wachsen gerade ins unermessliche. Klassische Industriezweige, dazu gehören gerade auch viele Betriebe in Deutschland, die die digitale Wende nicht angegangen sind, die sich auf ihre Lobbyarbeit und Sicherheiten ausruhten, rutschen über Nacht in Schwierigkeiten.

Dabei stelle ich mir die Frage, ob die ganzen Hilfspakete für die Wirtschaft sinnvoll sind. Ist es sinnvoll in eh sterbende Bereiche Geld zu pumpen, das gar nicht vorhanden ist?

Ich würde hier ganz schnell mit einem „nein“ antworten, wenn da nicht die einzelnen Menschen sind, die nach dieser Krise keine Jobs mehr haben. Und trotzdem, genau mit diesem Argument der Massenarbeitslosigkeit werden die Regierungen schlussendlich erpresst. Müssen wir nicht endlich damit leben, dass Auto-Konzerne teilweise verschwinden? Dass Bereiche die nur noch mit Subventionen erhalten werden endlich vom Tropf genommen werden müssen? Statt Milliarden von Euros in Unternehmen zu stecken, die zu einer aussterbenden Industriewelt gehören, müsste es andere Konzepte geben. Für die (kleinen) Unternehmen, die grundsätzliches bieten, die auch in Zukunft noch systemrelevant sind – und in die einzelnen Menschen.

Aber gibt es diese Konzepte? Gibt es Menschen, die so mutig sind, diese zu denken?

Wie kann Wirtschaftsförderung nach Corona aussehen? Gibt es Antworten auf die Massenarbeitslosigkeit, die eventuell weniger kosten, als das Gießkannen-Prinzip der aktuellen Förderung, die ja dann beim systemrelevanten Mittelstand gar nicht so ankommen?

Die Corona Krise müsste uns zum aufwachen motivieren. Nicht zurück zum Alltag dürfte die Devise sein sondern? Ja was?