Berufung

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Ein anderes Wort, das aktuell eher ein Schattendasein führt, rückt in die Nähe von Berufung: Apostolat! Auch wenn der Begriff seit dem 19. Jhdt. eine große Aufmerksamkeit bekommen hat, zuletzt ganz besonders in der Zeit des II. Vatikanischen Konzils mit einem eigenen Dekret zum Thema und vielen weiteren Hinweisen in anderen Schreiben und Dekreten, so redet heute kaum jemand davon, ja manche sehen es als Abwertung.

Wie gehen wir mit dem Thema Berufung, wie gehen wir mit dem Thema Apostolat um? Was bedeutet das jeweilige? Wie stehen Berufung und Apostolat zusammen? Zu was ist „man“ berufen? Was sind die Berufungen in der

Berufen sein

Was ist das? Seit einigen Jahren ist irgendwie jeder zu jedem berufen, denn – so die Argumentation – Beruf kommt von Berufung. Passt das aber? Wer bei Amazon das Wort „Berufung“ eingibt findet erst auf der dritten Seite einen christlichen Bezug, ansonsten geht es um Beruf, Profession etc. Ist es das aber, was in der katholischen Kirche Berufung meint? In der Bibel finden wir Berufungen. Die Propheten und Prophetinnen, manche der Könige scheinen berufen zu sein. Maria wurde berufen, Elisabeth und Zacharias dann doch auch, oder? Die Apostel, ganz sicher, Paulus aber auch Maria von Magdala. Aber was ist dann zum Beispiel mit Martha und Maria?

Berufung

Berufung spüren

Vor vielen Jahren hatte ich eine Ahnung, die mich dazu geführt hat meinen bis damals „normalen“ Weg abzubrechen und eine neue Richtung einzuschlagen. Dieser neue Weg führte mich in das Spätberufenenseminar in Sasbach. Dort holte ich mein Abitur nach und lernte mehr als nur den Abistoff. Darunter auch Erfahrungen anzunehmen, die ich mit Gott gemacht hatte. Leider oder zum Glück war die Zeit noch nicht so weit um nach dem Abitur in ein Priesterseminar einzutreten. Vielmehr sollten es noch viele Jahre der Wanderung geben bis ich nun mit einen großen Umweg über Rom in Deutschland in der kirchlichen Ausbildung gelandet bin. 

Ich bin ein Mensch der in verschiedenen Formen erlebt hat, wie der Ruf Gottes wirken kann und wie er einen leiten und führen kann: Im Gebet, in Impulsen, in Menschen die mir begegnet sind und die mich begleitet haben – den gratias. 

An mir und meinem Leben ist der Spruch anwendbar der auch fast abgedroschen wirkt: „Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade“ (P. Claudel; Der seidene Schuh).

Herrlichkeit Gottes:

Frage: Wie können wir so leben, dass wir Gott verherrlichen? Wie können wir leben als die, die wir sind; wie können wir unser tiefstes Wesen verwirklichen? Antwort: Nehmen Sie dies als ihr Lebenswort mit: „Ich bin die Herrlichkeit Gottes.“ Machen Sie diesen Gedanken zum Mittelpunkt Ihres Meditierens, sodass er nach und nach nicht nur ein Gedanke, sondern lebendige Wirklichkeit wird. Sie sind der Ort, den Gott sich zur Wohnung erwählt hat, und das geistliche Leben besteht darin, den Raum zu schaffen, in dem Gott wohnen und seine Herrlichkeit sich offenbaren kann.
Jedes Mal, wenn ich die Herrlichkeit Gottes in mir erkenne und ihr Raum gebe, um sich in mir zu offenbaren, kann ich alles Menschliche zu ihr bringen, und alles wird verwandelt. Gott selbst, der Heilige Geist, betet in mir und rührt hier und jetzt die ganze Welt mit seiner Liebe an. (Henri Nouwen)

Etymologie

berufen Vb. ‘ernennen, in ein Amt einführen’, auch (heute selten) ‘einberufen’, reflexiv ‘sich stützen, beziehen auf’, mhd. beruofen ‘zusammenrufen, ausrufen, tadeln, unzeitig und zum Unheil nennen, beschreiben, bezaubern, anklagen’, reflexiv ‘sich zusammenrufen, sich versammeln, sich beziehen auf, appellieren’ ist eine präfigierte Bildung zu dem unter ↗rufen (s. d.) behandelten Verb; vgl. auch schwach flektierendes ahd.bi(h)ruofen ‘zusammenrufen’ (10. Jh.). Die heute vorherrschende Bedeutung ‘in ein Amt einsetzen, ernennen’ ist (wie bei Beruf, s. unten) von Luthers Gebrauch beeinflußt, vgl. eyn yglicher bleybe ynn dem ruff (‘dem von Gott bestimmten Stand’), darynn er beruffen (‘von Gott eingesetzt und tätig’) istbistu eyn knecht beruffen, sorge dyr nicht. Der reflexive Gebrauch ‘sich auf etw. als Beweis, auf jmdn. stützen’ (15. Jh.) entstammt der Rechtssprache; daher auch ‘eine Versammlung, einen beratenden oder beschließenden Ausschuß einsetzen’, eigentlich ‘auf-, herbeirufen, vorladen’. berufen Part.adj. ‘besonders geeignet’, daher auch ‘berühmt’, eigentlich ‘in ein Amt eingesetzt’ (ebenfalls Luther 1522). unberufen Part.adj. ‘unaufgefordert, ohne Auftrag’ (2. Hälfte 15. Jh.), heute vornehmlich im Sinne von ‘unbeschrieen’ als vorbeugende Abwehrformel, eigentlich ‘ohne darüber reden zu wollen’, in der abergläubischen Furcht, wohlwollendes Reden über eine Sache gereiche dieser zum Unglück (19. Jh.). Beruf m. ‘erlernte bzw. ausgeübte Tätigkeit, mit der jmd. seinen Lebensunterhalt verdient’ (im 17. Jh. aufkommend, im 19. Jh. voll ausgeprägt), ausgehend von älteren Verwendungen wie ‘Berufung (in ein Amt), Bestimmung (für eine Tätigkeit), Amtsausübung’ (16. Jh.; vgl. nochaus innerem Beruf), zuvor ‘Aufforderung, Bekanntmachung, Berufung (in ein Gericht), Leumund’ (15. Jh.). Auch hier wird die heutige Bedeutung durch Luther verbreitet, der Beruf, für griech. (Neues Testament) klḗsis(κλῆσις), kirchenlat. vocātio, im Sinne von ‘göttliche Berufung, christliche Bestimmung’ gebraucht, vgl. beruff zum Pfarrampt odder seel sorgeberuflich Adj. ‘den Beruf betreffend’ (Mitte 19. Jh.).



Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/berufen&gt;, abgerufen am 21.05.2021